VW Touran: Der Fastallesvielbesserkönner

10. März 2016, 13:02
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Es sind die stillen Bestseller, die ihren Besitzern und Herstellern die meiste Freude machen. Abseits der allgegenwärtigen SUV-Manie gibt es noch behagliche Nischen für den einen oder anderen Van. Im Test gab sich der VW Touran als unaufdringlicher Allrounder.

Wien – Vergleiche herstellen zum Vorgängermodell – so lautete einer der Touran-Testaufträge, und das war schon einmal eine klare Ansage. Naheliegend auch, da nämlich der Standard-Tester das alte Modell ganz gut kannte, als einzigen Van überhaupt, aus Immer-wieder-einmal-Benutzung.

Beginnen wir mit dem Gesamteindruck. Der neue Touran, der sich mit 4,53 m Länge – 11 cm mehr als bisher – zwischen Golf Sportsvan (4,34 m) und Sharan (4,85 m) positioniert, ist dem Vorgänger in fast jeder Kategorie eklatant überlegen. Agilität, Straßenlage, Haptik, Ausstattung (präziser: Ausstattungsmöglichkeiten), Platz, Akustik, überall ist ein regelrechter Sprung feststellbar.

foto: andreas stockinger
Auf 4,53 m Länge bringt der für einen Van überraschend fahraktive Touran bis zu sieben Personen unter. Das geradlinige, schnörkellose Design empfinden manche als langweilig – aber das ist Geschmacksache.

Klar, das liegt auch daran, dass der seit 2003 gebaute Vorgänger kein Jungspund mehr war. Und fühlte der sich im Fahrbetrieb doch noch ein wenig nach Kleinbus an, so ist das beim Neuen völlig weg. Der fährt sich wie ein ganz normaler Pkw. Und übrigens, da unsereins auch Erfahrung im 2er Gran Tourer sammeln konnte: Vielleicht nicht bei dem, was im Fachjargon unter Fahrdynamik läuft, aber im praktischen Detail ist der VW dem BMW klar voraus.

Ein Opfer der Nüchternheit

Was es im Testwagen nicht mehr gab, war diese Ablagenbatterie vorn im Dachbereich. Wer mit Kindern reist, was viele Van-Fahrer ja wohl tun, weiß um ihre Vorzüge. Fern von neugierigen Händchen des Nachwuchses verstaut man da Brillen und Kleinutensilien – Schlüssel, Taschentücher – bis hin zu Kleinspielzeug, das man dann wie aus dem Nichts hervorzaubern kann. Trara!

foto: andreas stockinger
Innen ist der Touran durchdacht bis ins letzte Detail. Vorbildlich.

Das also fiel der streng sachlichen Nüchternheit zum Opfer. Andererseits ist das wieder nicht so dramatisch, da es sonst etliche Fächer und Ablagen gibt. Und die kleinen Jausentischchen, hinten an den Vordersitzen fixiert, sind auch geblieben, meines Patenonkels Kinder haben es bei einer Probeausfahrt gleich bemerkt und darauf hingewiesen – Mist, nicht an eine Kinderjause gedacht ...

Retourgang

Wirklich unangenehm aufgefallen ist dem Tester der Umstand, dass das Doppelkupplungsgetriebe sich im Retourgang zu viel Zeit lässt, zu viel Zeit, bis der Gang einrastet und auf aktiv stellt. Das führt manchmal zu heiklen Situationen in Parklücken, beim Reversieren oder beim Bergauffahren.

foto: andreas stockinger

Ansonsten ist das DSG natürlich eine feine Sache. Man kann es schalten lassen oder selber eingreifen, meistens wird man Ersteres tun. Und der 150-PS-Diesel ist vermutlich das, was man als angemessene Motorisierung bezeichnet. Verleiht dem Van maßvolles Temperament und belohnt einen mit familienfreundlichem Verbrauch – in unserem Fall kamen wir auf 6,7 l / 100 km. Und im Infotainment spielt der Touran mehr Stücke, als wir je spielen könnten. (Stephan-Alexander Krenn, 10.3.2016)

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Volkswagen

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

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