Lage an griechisch-mazedonischer Grenze spitzt sich zu

26. Februar 2016, 13:49
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4.200 Menschen warten in Idomeni – Österreichischer Rotkreuz-Koordinator: "Ratlosigkeit und Verzweiflung"

Idomeni – Die Situation am griechisch-mazedonischen Grenzübergang Idomeni hat sich weiter zugespitzt. Die Zahl der Flüchtlinge, die auf eine Weiterreise Richtung Norden warten, ist von 2.800 am Donnerstag auf 4.200 am Freitagvormittag gestiegen, sagte der österreichische Rotkreuz-Koordinator Christopher Bachtrog der APA.

"Die Menschen sind ratlos und verzweifelt", schilderte Bachtrog, der seit zwei Wochen für das Internationale Rote Kreuz in Idomeni tätig ist. "Die Hilfsorganisationen stoßen an den Rand ihrer Kapazitäten. Die Zelte, die vom UNHCR zur Verfügung gestellt wurden, sind voll belegt." Bei den Flüchtlingen handle es sich überwiegend um Syrer und Iraker, vereinzelt auch um Afghanen, die seit mehreren Tagen nicht mehr nach Mazedonien einreisen dürfen.

Letztes Geld für teures Busticket an die Grenze

"Die Menschen, die jetzt hier warten, haben das allerdings nicht gewusst. Sie haben zum Teil schon auf Lesbos für viel Geld Bustickets für die Strecke zur Grenze gekauft und können jetzt nicht weiter", sagte Bachtrog. Idomeni ist rund 70 Kilometer von Thessaloniki entfernt. In der Nähe der Stadt sei vor zwei Tagen ein neues Camp errichtet worden. "Die Idee war, das die Menschen dort einige Zeit bleiben."

In der Realität sei es aber so, dass manche Flüchtlinge ihr letztes Geld für ein teures Bus-Ticket zur Grenze ausgeben, manche kämen auch in Taxis oder sogar zu Fuß. Keine Informationen habe man darüber, wie viele Busse aktuell Richtung Idomeni unterwegs seien, Schätzungen gingen von 40 bis 60 aus. "Wir sind am Rand unserer Kapazitäten."

37 Prozent Kinder

Unter den Flüchtlingen sind viele Familien. "Nach offiziellen Zahlen sind 37 Prozent von ihnen Kinder", sagte Bachtrog. Das Wetter derzeit sei tagsüber gut, nachts werde es allerdings kalt. Das Rote Kreuz ist eine von mehreren Organisationen, die sich in Idomeni um die Flüchtlinge kümmert. Dabei geht es um die Versorgung mit Nahrung, Decken und Hygieneartikel. Auch ein Gesundheitszentrum wurde eingerichtet.

"Derzeit ist der Grenzübergang wieder geschlossen. Wir haben keine Informationen, wie es weitergeht", sagte der Österreicher Freitagmittag. "Gestern konnten mehrere Kleingruppen nach Mazedonien einreisen. Nach Angaben der IOM (International Organisation for Migration, Anm.) waren es insgesamt 100 Menschen." Nach Angaben des Koordinators versucht man nun, sich auf mehrere Szenarien einzustellen und so viele weitere Ressourcen wie möglich lockerzumachen. Das Rote Kreuz ist mit rund 40 Helfern im Einsatz, rund die Hälfte von ihnen sich Freiwillige aus der Region. (APA, 26.2.2016)

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