Gasleck in Kalifornien: Mehr als 100.000 Tonnen Methan ausgeströmt

26. Februar 2016, 12:10
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Fast vier Monate konnte ein Leck in einem unterirdischen Erdgasspeicher nicht verschlossen werden. Forscher ziehen nun in "Science" Bilanz über das Unglück

Los Angeles – Erst nach fast vier Monaten konnte ein Gasleck bei Los Angeles Mitte Februar dauerhaft verschlossen werden. Bis dahin wurden rund 100.000 Tonnen Methan ausgestoßen. Deren Treibhausgaseffekt entspreche dem von mehr als einer halben Million Pkw in den USA innerhalb eines Jahres, berichteten US-Forscher in der jüngsten Ausgabe des Fachjournals "Science".

Durch das Leck eines unterirdischen Erdgasspeichers im Norden von Los Angeles strömte seit Oktober des Vorjahres 112 Tage lang vor allem Methan, aber auch andere Gase aus. Solch ein einzelnes Unglück bei der Erdgasförderung zeige, wie schnell lokale und nationale Klimaschutz-Strategien gefährdet werden könnten, schreiben die Forscher. Weltweit wird ein Zehntel des jährlich benötigten Gasvorrats in derartigen unterirdischen Speichern gelagert.

Notstand

Das Team um Stephen Conley (University of California, Davis) wertete für die Studie Daten von 13 wissenschaftlichen Messflügen zwischen 7. November und 13. Februar aus. Am 11. Februar konnte das Leck in dem zum Aliso Canyon führenden Speicherschacht nach mehr fast vier Monaten gestopft werden.

Im Jänner war in Porter Ranch, einem Vorort im Norden von Los Angeles, der Notstand ausgerufen worden. Etwa 11.000 Anrainer waren umgesiedelt worden, viele litten an Übelkeit, Nasenbluten, oder Kopfschmerzen.

"Die Methan-Ausstöße waren außerordentlich hoch, die höchsten die wir je gesehen haben", sagte Co-Autor Donald Blake, der seit 30 Jahren Luftschadstoffe in allen Teilen der Erde misst. Zeitweise seien bis zu 4,5 Tonnen Ethan und bis zu 60 Tonnen Methan pro Stunde entwichen. Pro Tag hätte diese Methan-Menge einen Ballon so groß wie das berühmte Rose Bowl-Stadion mit seinen über 90.000 Plätzen gefüllt.

Gefährliche Stoffe im Wohngebiet

In der bodennahen Luft der betroffenen Wohnsiedlung stellten die Forscher zudem erhöhte Werte weiterer gefährlicher Stoffe fest, etwa des krebserregenden Benzols oder gesundheitsschädlicher Xylole.

Allein in Kalifornien gibt es 340 unterirdische Erdgasspeicher. 160 davon betreibt das Unternehmen Southern California Gas, das auch für den betroffenen Speicher verantwortlich ist. Untersuchungen sollen nun zeigen, wie es zu dem Unglück in 2.400 Meter Tiefe kam und weshalb die Situation so lange nicht unter Kontrolle gebracht werden konnte.

Der mit dem Aliso Canyon verbundene Speicher ist der viertgrößte seiner Art in den USA. Dort lagert genug Erdgas, um Südkalifornien einen Monat lang zu versorgen. Der Schacht war schon 1953 zur Förderung von Öl gebohrt worden, seit den 70er-Jahren wird er als Speicher für Erdgas genutzt. (APA, red, 26.2.2016)

  • Aufnahme aus dem Dezember 2015, die vollständige Verschließung des Gasleckes erfolgte erst im Februar.
    foto: ap/dean musgrove

    Aufnahme aus dem Dezember 2015, die vollständige Verschließung des Gasleckes erfolgte erst im Februar.

  • Diese Luftaufnahme zeigt den Standort des Gasspeichers (SS25) und die Lage der nahen Stadt Porter Ranch.
    foto: stephen conley

    Diese Luftaufnahme zeigt den Standort des Gasspeichers (SS25) und die Lage der nahen Stadt Porter Ranch.

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