"Flüchtlingsdschungel" bei Calais darf teilweise geräumt werden

26. Februar 2016, 06:00
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Hilfsorganisationen befürchten Verlagerung des Problems

Calais – Frankreich darf einen Teil des Flüchtlingslagers von Calais räumen. Das Verwaltungsgericht von Lille wies Einsprüche von Migranten und Hilfsorganisationen am Donnerstag zurück. Nur bestimmte Hütten wie eine Schule und Kultstätten dürfen zunächst nicht abgerissen werden.

Die Behörden wollen aber behutsam und schrittweise vorgehen und Gewalt vermeiden: Es sei nie darum gegangen, das Gelände brutal mit Bulldozern zu räumen, sagte Innenminister Bernard Cazeneuve.

Die Präfektur will den südlichen Teil des als "Dschungel von Calais" bekannten Baracken- und Zeltlagers an der Ärmelkanalküste auflösen. Nach Angaben der Bürgermeisterin von Calais, Natacha Bouchart, könnte das etwa drei Wochen dauern. Offiziellen Schätzungen zufolge sind 800 bis 1.000 Personen betroffen – Hilfsorganisationen gehen aber von deutlich mehr aus und befürchten, dass sie nun an andere Orte ausweichen, wo die Lebensbedingungen noch schlechter sind.

Menschen sollen auf andere Lager verteilt werden

In Calais sammeln sich seit Jahren Menschen, die illegal nach Großbritannien gelangen wollen. Im vergangenen Jahr hatte sich die Lage deutlich zugespitzt, die Teilräumung soll nun ein wichtiger Schritt zur Lösung des Problems sein. Viele ehrenamtliche Helfer vor Ort sind jedoch skeptisch. In der Heidelandschaft neben dem Hafenzubringer halten sich nach Behördenangaben derzeit rund 3.700 Menschen auf, teilweise unter Slum-ähnlichen Bedingungen.

Die Betroffenen sollen entweder in ein vor kurzem eingerichtetes Containerlager neben dem "Dschungel" ziehen, in dem allerdings nur noch wenige Plätze frei sind, oder in Aufnahme- und Orientierungszentren gebracht werden, die im ganzen Land eröffnet wurden. Dort bekommen sie dann Begleitung bei ihrem Asylverfahren. "Wir haben eine Lösung für jeden", versprach Präfektin Fabienne Buccio.

Helfer erwarten Entstehen neuer "Dschungel"

Kritiker entgegnen, dass viele gar kein Asyl in Frankreich beantragen wollen, sondern eine Möglichkeit suchen, um auf die andere Seite des Ärmelkanals zu gelangen. "Es werden wieder viele kleine Dschungel entstehen", sagte Maya Konforti von der Hilfsorganisation L'Auberge des Migrants dem Sender BFMTV.

Belgien kontrolliert wegen Räumung seine Grenze

Auch Belgien befürchtet, dass infolge der Räumung Migranten ins Land kommen und dort ähnliche Lager wie in Calais entstehen. Cazeneuve äußerte am Rande eines EU-Innenministertreffens in Brüssel sein Unverständnis, dass Belgien deshalb Kontrollen an der Grenze zu Frankreich angeordnet hat. "Diese Entscheidung ist für uns seltsam, und die Begründung ist es auch", sagte Cazeneuve. "So zu tun, als könnte es wegen dieser Unterbringung einen Andrang von Migranten an der belgischen Grenze geben, entspricht einfach nicht der Realität." (APA, 26.2.2016)

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