Tim Cook: Der stille Advokat der Privatsphäre

Kopf des Tages25. Februar 2016, 18:01
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In die großen Fußstapfen von Steve Jobs getreten, profiliert sich der Apple-CEO zunehmend über sein Privacy-Engagement

Als Tim Cook 2011 den schwerkranken Steve Jobs an der Spitze von Apple ablöste, sahen viele Beobachter den Konzern dem Untergang geweiht. Dem Showman und Visionär Jobs folgte ein zurückhaltender Mann nach, der bis dahin das Tagesgeschäft des Unternehmens aus dem Hintergrund gesteuert hatte. Zwar hatte Cook seinen Chef schon zuvor öfter wegen dessen Krebserkrankung vertreten, doch die Rolle des CEO traute ihm damals kaum jemand zu.

Eine der schwierigsten Aufgaben sollte auf Cook aber erst dieses Jahr zukommen: Per Gericht wurde Apple dazu aufgefordert, dem FBI Zugriff auf die verschlüsselten Daten auf dem iPhone eines Attentäters zu gewähren. Anstatt schweigend mit den Behörden zu kooperieren, entschied sich Cook, an die Öffentlichkeit zu gehen und dem Angriff auf die Privatsphäre die Stirn zu bieten. Apple befürchtet nämlich, dass damit dem willkürlichen Zugriff auf iPhones der Nutzer durch Behörden, aber auch durch Hacker Tür und Tor geöffnet würde.

Vorgeschichte

Zu Apple kam Cook 1998 – Jobs hatte ihn damals persönlich vom Computerkonzern Compaq geholt. Zum Chief Operating Officer – dem Chef für das Tagesgeschäft – wurde er 2005 ernannt. Als Steve Jobs im Oktober 2011 an Krebs starb, hatte Cook den CEO-Posten schon einige Monate inne, da sich Jobs aufgrund seiner schweren Krankheit im August von der Konzernspitze zurückgezogen hatte.

Der Goldesel des Unternehmens – das iPhone – wurde unter Jobs eingeführt. Auch das iPad fiel in dessen Amtszeit. Unter Tim Cook hingegen konnte Apple noch keine ähnlichen neuen Hits hervorbringen. Die 2014 vorgestellte Apple Watch hat die hohen Erwartungen bislang nicht erfüllt. iPads verkaufen sich schon länger nicht mehr gut, und für das laufende Jahr erwartet Apple erstmals weniger iPhones als zuvor zu verkaufen.

Hohe Erwartungen

Das "next big thing" konnte Cook bislang nicht hervorbringen. Dafür tritt der Apple-Chef mit anderen Themen verstärkt ins Rampenlicht. Viel beachtet war sein Coming-out im Jahr 2014. Einer der raren Momente, in denen er sein Privatleben zur Sprache brachte. Für die Rechte homo- und bisexueller Menschen hatte er sich schon früher öffentlich eingesetzt. Und es war Cook, der erstmals Frauen in den Apple-Vorstand holte. Nun könnte der 55-Jährige aus Alabama auch zum Advokaten der Privatsphäre werden. Dafür will er bis vor das Oberste Bundesgericht ziehen. (Birgit Riegler, 25.2.2016)

  • Apple-Chef Tim Cook schwingt sich zum Verfechter der Privatsphäre auf.
    foto: richard drew / ap

    Apple-Chef Tim Cook schwingt sich zum Verfechter der Privatsphäre auf.

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