Staatlich verordneter Lebensstil für eine gesunde Gesellschaft

3. März 2016, 05:30
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Zwischen Gesundheitsfernsehen und Tabaksteuer stellt sich die Frage, wie sehr Staaten in den Lebensstil ihrer Bürger eingreifen sollen

Brüssel/Wien – Die grellbunten Farben sind typisch fürs Kinderfernsehen, das Thema ist hingegen eher unüblich: Mit der TV-Serie "LazyTown" werden Kinder gerade über jenes Medium, das für Bewegungsmangel sorgt, zu Sport und gesunder Ernährung animiert. Das Format wurde 1996 in Island erfunden und kam so gut an, dass es in mehr als 100 Ländern ausgestrahlt wurde, ab 2005 auch in Österreich und Deutschland auf "Super RTL". Eine Evaluierung zeigte, dass in den Folgejahren Übergewicht und Adipositas zumindest unter isländischen Kindern zurückgegangen ist.

Derartige mehr oder weniger unterschwellige Maßnahmen für einen gesünderen Lebensstil haben auch Einzug in Regierungsprogramme und Unternehmen gehalten. In China beginnt ein Arbeitstag mit halbstündigen Sportübungen und die Cafeterien der Unternehmen Google und Nestlé wurden teilweise so umkonzipiert, dass die Angestellten häufiger zu Obst und Gemüse greifen. Sind solche Maßnahmen nun bevormundend, idealistisch oder zur Nachahmung empfehlenswert?

Die wichtigsten staatlichen Regulierungen zugunsten einer gesünderen Gesellschaft liefen bisher über Tabak- und Alkoholsteuern, Warnhinweise oder abschreckende Bilder auf Zigarettenschachteln sowie Rauchverbote. Hinzu kommen die Kennzeichnung von Inhaltsstoffen und Nährwerten auf Verpackungen und das Verbot von industriell erzeugten Transfetten, die als Risikofaktor für Herzinfarkte gelten. Ihr Verbot wurde bisher nur von den Ländern Österreich, Schweiz, Ungarn, Island, Norwegen und Dänemark umgesetzt.

Zuckerfreies Zuckerbrot

Schwieriger ist wohl die Frage, ob Krankenkassen ihre Versicherten belohnen oder bestrafen sollen, je nachdem, wie sehr sie sich um ihre eigene Gesundheit bemühen. Zwar sorgen Anhänger eines ungesunden Lebensstils für womöglich höhere Kosten, aber sollen sie selbst ihren Lebensstil dokumentieren und anhand dessen zu höheren Zahlungen verpflichtet werden? Oder sollen sie erst gar keinen Zugang zu Gratisdienstleistungen bekommen, die den gesundheitsbewussten Populationen vorbehalten sind?

Die Europäische Union möchte von ihren Bürgerinnen und Bürgern wissen, inwiefern Regierungen das Gesundheitsbewusstsein beeinflussen können und vor allem sollen. Das ist Thema des dritten Teils der Umfrage zu chronischen Krankheiten, die in Zusammenarbeit mit dem STANDARD stattfindet und nun auf der Plattform ReiSearch verfügbar ist. Ende April werden die Ergebnisse vorgestellt und auch im STANDARD veröffentlicht. (red, 3.3.2016)

Links zur Befragung: Teil I und Teil II

Link zur aktuellen Befragung

foto: reisearch
  • Soll ein gesunder Lebensstil belohnt werden?
    foto: apa/ap/hassan ammar

    Soll ein gesunder Lebensstil belohnt werden?

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