Potenzielles Ebola-Gegenmittel entdeckt

25. Februar 2016, 20:01
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Bisher getestete Mittel gegen das tödliche Ebolavirus erwiesen sich als wenig wirksam. Nun gibt es eine neue Hoffnung

Bethesda/Wien – Zwei Jahre nach Ausbruch der bisher verheerendsten Ebola-Epidemie, bei der mehr als 11.000 Menschen starben, häufen sich die Fälle wieder. Im Jänner wurden zwei Neuerkrankungen in Sierra Leone gemeldet, das erst im November von der WHO für ebolafrei erklärt wurde, und eine schottische Krankenschwester, die als geheilt galt, liegt wieder im Spital. Noch dazu gibt es vermehrt Berichte über Langzeitfolgen der Krankheit, darunter neurologische Probleme und Blindheit bei infizierten Kindern.

Das alles zeigt: Das Thema Ebola ist noch längst nicht vom Tisch. Ein mögliches Gegenmittel gibt es bereits – es nennt sich ZMapp und besteht aus einem Antikörpercocktail, der im Tierversuch vielversprechend erschien. Bei einem kürzlich vorgenommenen Test an infizierten Menschen mussten die Forscher jedoch feststellen, dass das Mittel nicht so effektiv ist wie erwartet. Im Vergleich zur Kontrollgruppe starben zwar nur 22 statt 37 Prozent der Betroffenen, doch der Unterschied war statistisch nicht signifikant.

Affen überlebten

Neue Studien lassen Wissenschafter und Ärzte jedoch wieder hoffen. Ein internationales Forschungsteam um Davide Corti konnte die Blutprobe eines Mannes untersuchen, der den Ebolaausbruch 1995 in Kongo-Kinshasa – damals noch Zaire – überlebte. Die Wissenschafter isolierten Antikörper und behandelten damit Makaken, die fünf Tage zuvor mit dem Zaire-Ebolavirus infiziert wurden. Diese überlebten und zeigten danach nicht einmal die typischen Symptome wie Fieber und Durchfall.

Anschließend untersuchten John Misasi vom US-amerikanischen National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) und seine Kollegen die molekulare Basis der beiden effektivsten Antikörper. Immerhin binden sie um 25 Prozent besser an das Virus als die Bestandteile des ZMapp-Cocktails, wie die Forscher im Fachblatt "Science" berichten.

Schlüsselrezeptor gehemmt

mAb100 und mAb114 heißen die zwei Moleküle, die das Ebolavirus an einem Oberflächenprotein angreifen. Mit diesem kann es an der Membran von Wirtszellen binden. mAb100 steuert die Basis des Virusproteins an, wie auch andere bereits bekannte Antikörper. Im Gegensatz zu diesen kann es sich aber durch seine rotierte Form nicht nur an einer, sondern an drei verschiedenen Proteineinheiten festhängen. Noch wirkungsvoller ist offenbar mAb114: Es blockiert einen Schlüsselrezeptor des Ebolavirus und bleibt dort vor allem auch nach einer molekularen Umformung gebunden, durch die das Virus in eine Wirtszelle gelangen kann.

Ob sich die zurückkehrende Krankheit mit diesen Wirkstoffen eindämmen lässt oder Impfungen entwickelt werden können, bleibt zu prüfen – idealerweise mit mehr Erfolg als beim letzten Versuch. (Julia Sica, 25.2.2016)

  • Umzingelt: Ein Oberflächenprotein des Ebola-Virus (blau) wird von den beiden Antikörpern mAb110 (violett und weiß) und mAb114 (pink und weiß) blockiert.
    foto: niaid

    Umzingelt: Ein Oberflächenprotein des Ebola-Virus (blau) wird von den beiden Antikörpern mAb110 (violett und weiß) und mAb114 (pink und weiß) blockiert.

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