Urlaubsplanung mit Drohnenvideos und virtueller Brille

26. Februar 2016, 05:30
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Reiseplanung mit Drohnenvideos und Virtual Reality, Roboter in Hotels und auf Kreuzfahrtschiffen: Die Digitalisierung erobert die Reisebranche

Vor der weltgrößten Reisemesse ITB Berlin (9. bis 13. März 2016) erklären Touristiker, welche Trends Reisende 2016 erwarten. Sie erklären, wie sich die Urlaubsplanung verändert, welche technischen Neuerungen Reisende vor Ort erleben und welche Reiseformen in Zukunft besonders gefragt sein werden.

Urlaubssuche mit Drohnenvideos und virtueller Brille

Noch schöpfen nur wenige Reisewebsites die Möglichkeiten der Digitalisierung aus – dies wird sich künftig ändern. Einer der Vorreiter auf diesem Gebiet ist fincallorca, Marktführer bei der Vermittlung von Fincas auf Mallorca. Auf seiner Website hat der Anbieter dreidimensionale Grundrisse und Drohnenvideos seiner Objekte integriert, um Nutzern ein möglichst authentisches Bild von den Anlagen zu vermitteln.

foto: vtl360.com
Virtuelle Realitäten sollen Lust auf Urlaub in echten Realitäten machen.

Hotels per Video aus der Hubschrauber-Perspektive ansehen und so im Voraus genau inspizieren können Interessenten auf immer mehr Reiseportalen und in Reisebüros. Die Idee zu HeliView stammt vom Berliner Unternehmen traffics. "Allein 2015 hat sich die Nutzung versechsfacht", so traffics-Geschäftsführer Salim Sahi.

Kreuzfahrt-Interessenten können seit Kurzem in zahlreichen Reisebüros unter anderem von Derpart und Lufthansa City Center mit einer 360 Grad-Brille virtuelle Rundgänge auf Schiffen unternehmen. "Bei der großen Auswahl möchten Reisende das Schiff gerne genau unter die Lupe nehmen", weiß Steffen Faradi, Geschäftsführer der Pisano Holding, der die sogenannte Virtual Travel Lounge entwickelt hat.

Curated Shopping und Community-Gedanke

Ein weiterer Trend der Anbieter, um Reisefreudigen die Auswahl zu erleichtern: Curated Shopping. "Kunden haben keine Lust mehr, stundenlang Reiseangebote im Internet zu vergleichen", erklärt Stefan Menden, Geschäftsführer von Secret Escapes. "Sie wollen persönliche Empfehlungen erhalten, und das jederzeit und überall – in der U-Bahn, im Wartezimmer oder in der Supermarktschlange." Um die Entscheidung zu erleichtern, bereitet der Shopping-Club für gehobene Hotels und Reisen zum Spezialpreis seine exklusiven Angebote redaktionell auf. Innerhalb von zwei Jahren hat das Portal seinen Umsatz und die Mitgliederzahl in Deutschland verzehnfacht.

foto: heliview startbild
Auch mit "HeliView" kann man virtuelle Ausflüge ins Urlaubsziel machen.

Zunehmend an Bedeutung bei der Reiseplanung gewinnt auch der Community-Charakter. "Urlauber lassen sich von den Empfehlungen anderer Reisender inspirieren und teilen die eigenen Erfahrungen, um anderen Nutzern zu helfen, ihre Traumreise zu gestalten", erklärt Eric La Bonnardière, CEO von Evaneos. Das Online-Portal vermittelt seine Kunden direkt an lokale Reiseagenten, die ein individuelles Programm nach deren Wünschen erstellen. Interessenten können sich auf der Website die Reiseverläufe anderer Urlauber ansehen und deren Erfahrungsberichte dazu lesen.

Roboter als Service-Personal

Auch am Urlaubsort dürfen sich Reisende künftig von neuen technischen Errungenschaften überraschen lassen. David Ruetz, Leiter ITB Berlin, erklärt: "Im Hotel seinen Frühstückskaffee von einem Roboter serviert zu bekommen, ist heute keine Utopie mehr. Im belgischen Ghent Marriott Hotel heißt der jüngste Mitarbeiter zum Beispiel Mario, spricht 19 Sprachen und ist der erste humanoide Hotelroboter." Besucher des diesjährigen ITB Berlin Kongresses können ihn live in Aktion erleben.

foto: royal caribbean international
Cocktailshaker 2.0: Roboterarme mixen Spirituosen auf dem Kreuzfahrtschiff.

Bei Seereisen hält die Roboter-Technologie ebenfalls Einzug. Udo Völkel, Reiseberater bei Deutschlands größtem Kreuzfahrtportal Dreamlines, sagt: "Auf der neuen Harmony of the Seas, dem größten Kreuzfahrtschiff der Welt, das Ende Mai in See sticht, mixen zwei tanzende Barkeeper-Roboter Cocktails für die Gäste."

Trend zu Kurztrips und besonderen Reisen

Der eine große Jahresurlaub war gestern. "Heute verreisen die Menschen lieber kürzer und öfter und suchen dabei eine kurze Auszeit vom Alltag", sagt Marc Born, Geschäftsführer von weekend4two, Spezialist im Kurzreise-Segment. Hoch im Kurs stehen Städtetrips sowie Wellness- und Romantik-Wochenenden, die zudem immer kurzfristiger gebucht werden.

Bei längeren Trips sind Urlaube fernab der Massen gefragt: "Reisende suchen immer mehr nach individuellen Erlebnissen und direktem Kontakt mit lokalen Veranstaltern", erklärt Eric La Bonnardière von Evaneos. Diese Nachfrage, die sich heute verstärkt auch im Internet abspielt, bestätigt Julian Grupp, Geschäftsführer des Seychellen-Spezialisten SeyVillas.

foto: weekend4two/rigi kaltbad
Auch bei Kurzurlauben haben sich Spezialisten herausgebildet.

"Während vor wenigen Jahren hauptsächlich klassische Pauschalreisen über das Internet gebucht wurden, möchten User heute vermehrt individuelle Reiserouten online zusammenstellen", bekräftigt er. Mit dem neuen Inselhopping-Konfigurator von SeyVillas kombinieren Kunden mit wenigen Klicks verschiedene Seychellen-Kombinationen inklusive Flug, Transfer und Unterkunft miteinander.

Suche nach alternativen Destinationen

Neben den genannten Urlaubsformen steigt die Nachfrage für Schiffsreisen weiter. "Eine Kreuzfahrt stellt für viele Reisende die ideale Urlaubsform dar", sagt Eric Davril, Leiter Produktmanagement beim Reiseportal weg.de. "Gäste genießen an Bord ein Rundum-Paket mit allem Komfort und sehen gleichzeitig auf bequeme Weise eine Vielzahl neuer Orte. Nicht umsonst gehen allein im kommenden Jahr ganze neun neue Schiffe an den Start."

Viel Bewegung wird es 2016 bei den Reisezielen geben: Aufgrund der angespannten politischen Lage in einigen Ferienregionen suchen Urlauber zunehmend nach alternativen Destinationen. Einen besonders hohen Interessenszuwachs verzeichnet das Reisebewertungsportal HolidayCheck für die Länder Portugal, Bulgarien, Kroatien und die Vereinigten Arabischen Emirate sowie für Afrika – hier insbesondere für Namibia, Tansania, Mauritius und Kenia. (red, 26.2.2016)

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