Fünf Kandidaten für Posten des Fifa-Chefs im Porträt

Ansichtssache25. Februar 2016, 05:52
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Salman bin Ibrahim al-Khalifa: Der große Favorit mit dem dunklen Schatten

Wie bitte, Menschenrechtsverletzungen? "Ich verurteile jegliche Form von Menschenrechtsverletzungen", sagte Salman bin Ibrahim al-Khalifa (50) dem "Spiegel", "in welchem Land der Welt auch immer!" Vorwürfe vor allem aus Europa hatten den Scheich im Wahlkampf begleitet. Umstritten ist vor allem seine Rolle bei der Niederschlagung des Arabischen Frühlings 2011 in Bahrain. Unter vielen verhafteten Demonstranten waren auch Fußballer, die später angaben, gefoltert worden zu sein, was Salman als Präsident des Fußballverbands gebilligt habe.

Der Scheich hat dies stets bestritten. Er, der jahrelang Blatter hofierte, ist Topfavorit, weil er auf Unterstützung aus Asien und Afrika bauen darf.

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Gianni Infantino: Die sprachgewandte Nummer eins Europas

Die Uefa, der europäische Verband, ist die Heimat von Gianni Infantino (45). Er war die rechte Hand von Uefa-Präsident Michel Platini – bis der Franzose, der selbst Blatters Nachfolge antreten wollte, im Dezember 2015 für acht Jahre gesperrt wurde. Seitdem ist Infantino die Nummer eins. Oder, wie Kritiker meinen, Europas Plan B.

Seit 15 Jahren arbeitet der Vater von vier Kindern für die Uefa, seit 2009 als Generalsekretär. Der Schweizer, Fan von Inter Mailand, besitzt auch die italienische Staatsbürgerschaft, spricht Englisch, Französisch, Deutsch, Spanisch, Italienisch und Arabisch. Relativ selbstbewusst gab Infantino schon an, dass ihm gewinnbringende "105" der 209 Stimmen sicher seien.

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Ali bin al-Hussein: Der Prinz mit der Karriere in der Wiege

Respekt hat sich Prinz Ali bin al-Hussein (40) verdient, als er im Mai 2015 Amtsinhaber Blatter herausforderte (und verlor). So oder so gilt der Jordanier, der in den USA und Großbritannien studierte, als farblos. Deshalb setzte er, den nicht einmal der Asienverband unterstützt, zuletzt auf Aktionismus, als er eine gläserne Wahlkabine verlangte und den Sportgerichtshof anrief, die Wahl abzublasen.

Die Funktionärskarriere ward dem Prinzen in die Wiege gelegt. Die Eltern, König Hussein bin Talal und Königin Alia al-Hussein, waren sportbegeistert. Schwester Haya führte acht Jahre lang den Weltreiterverband. Ali, Halbbruder des regierenden Monarchen Abdullah, steht seit 1999 Jordaniens Fußballverband vor.

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Mosima Gabriel "Tokyo" Sexwale: Der externe Kandidat, der mit Mandela saß

Seine Überzeugung hat den Südafrikaner Mosima Gabriel "Tokyo" Sexwale (62) – Tokyo nennt er sich wegen seiner Begeisterung für Karate – einst ins Gefängnis gebracht. Er war 24, als er zu 18 Jahren auf Robben Island verurteilt wurde. Nach 13 Jahren, teils gemeinsam mit Nelson Mandela, kam der Anti-Apartheid-Aktivist frei. 1994, in der ersten demokratischen Wahl, wurde er zum Premierminister der Provinz Gauteng gewählt. Später tat er sich mit dem Konzern Mvelaphanda als Unternehmer hervor.

Die WM 2010 in seiner Heimat gilt als sein größtes Verdienst als Sportfunktionär. Er ist der einzige "externe" Kandidat, und er wird von Franz Beckenbauer unterstützt. Beides ist möglicherweise nicht von Vorteil.

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Jérôme Champagne: Der Idealist, der dem System entsprang

Totaler Außenseiter, das definiert Jérôme Champagne (57). Vor kurzem schrieb Ex-Stürmerstar Marco van Basten in seiner Kolumne, er würde für den Franzosen stimmen. "Lieber Don Quijote als diese Politiker." Tatsächlich kommt Champagne wie die Romanfigur von Miguel de Cervantes daher. Stets betont er seinen Idealismus, mit dem er die Fifa erneuern wolle.

Champagne war stellvertretender Generalkonsul in Los Angeles während der Vorbereitungen für die WM 1994 in den USA, 1997 wurde er OK-Protokollchef der WM 1998 in Frankreich. Dann stand er elf Jahre als Berater Joseph Blatters im Fifa-Dienst. Blatter trennte sich 2010 mit der Begründung von Champagne, dieser wolle ihn beerben. (sid, red, 25.2.2016)

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