Spaniens Landwirte leiden unter Olivenknappheit

25. Februar 2016, 05:30
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Zweite schlechte Erntesaison in Folge, die Preise für Olivenöl ziehen deutlich an

Granada – Unruhe macht sich bemerkbar in den weltgrößten Olivenproduktionszentren, den spanischen Provinzen Jaén, Córdoba, Sevilla und Granada. Zum zweiten Mal in Folge fiel die Ernte enttäuschend aus. In der Saison 2015/16, die mit Ende Jänner bereits in Rekordzeit abgeschlossen war, wurden lediglich 1,1 Millionen Tonnen Oliven geerntet.

Bereits die vergangene Ernteperiode 2014/15 war mit 800.000 Tonnen mager ausgefallen. Der Wert entspricht etwa der Hälfte der Ausbeute des Jahres davor. "Es war enttäuschend", sagt Enrique Delgado vom Olivenmühlenverband Almazaras de Jaén. Die Provinz Jaén ist Spaniens Olivenkammer, 45 Prozent der landesweiten Produktion finden hier statt. Damit wird ein Fünftel des Weltbedarfs gedeckt.

Schlechte Aussichten

Als Problem kommt hinzu, dass laut Delgado bereits anhand der austreibenden Blütenknospen absehbar ist, "dass die kommende Ernte noch magerer ausfallen wird". Schlimmstenfalls müsse man zuletzt forcierte internationale Werbekampagnen mit "Olivenöl aus Spanien" für den Exportmarkt stoppen. "Was man nicht hat, kann man nicht verkaufen", gibt sich Delgado pragmatisch. Zwischen 60 und 70 Prozent seines Olivenöls liefert Spanien in mehr als 160 Staaten. Oft als Stückgut, zur Mischung und Abfüllung, etwa in Italien.

"Die kommende Ernte bereitet auch uns noch größere Sorgen als die aktuelle", sagt Antonio Martínez vom Erzeugerdachverband Organización Interprofesional del Aceite de Oliva. Hauptgrund sei der anhaltende Niederschlagsmangel im sonst in Südspanien feuchtnassen Winter: "Unser Sektor hängt enorm von den klimatischen Bedingungen ab." Schädlinge wie die Feuerbakterie in Italien, die jahrhundertealte Bäume in Olivenhainen in gespenstisch anmutende Totholzskulpturen verwandelt, verschonen Spanien bisher noch.

Leere Tanks

1,8 Millionen Tonnen sind zur Deckung des Bedarfs national wie international pro Jahr nötig, sagt Martínez. "Bei über 500.000 Tonnen Binnenkonsum und mehr als einer Million Tonnen für den Export brauchen wir heuer noch unsere Reserven gänzlich auf", warnt er. Mit Stand Ende September 2015 fanden sich so wenige Oliven in Spaniens Speichertanks wie seit zehn Jahren nicht mehr. Als Folge steigen die Preise.

Raffiniertes Olivenöl, das in Spanien zum Frittieren gebräuchlich ist, verteuerte sich zwischen Mai 2014 und Oktober 2015 um mehr als fünfzig Prozent. Die Spitzenqualität, kaltgepresst, "Virgen Extra" rangierte Ende Jänner pro Liter jenseits der 4,30-Euro-Marke (2014: 2,69 Euro).

Nicht zuletzt aufgrund der steigenden Nachfrage in den USA, aber auch aus Fernost (Japan und China) rechnen Experten mit weiteren Preissteigerungen. Anzunehmen ist daher, dass auch Kunden in Österreich die Olivenknappheit schon bald an der Supermarktkassa spüren werden. (Jan Marot aus Granada, 25.2.2016)

  • Auch die kommende Olivenernte dürfte schlecht ausfallen.
    foto: apa/afp/jorge guerrero

    Auch die kommende Olivenernte dürfte schlecht ausfallen.

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