Ein Skispringer und sein namenloses Glück

24. Februar 2016, 17:33
18 Postings

Michael Hayböck ist ein Skispringer, kein Erklärbär. Weshalb sich der Oberösterreicher mit seinem Hattrick im Weltcup gedanklich gar nicht lange aufhalten will. Der Drittplatzierte des Weltcups könnte seine Serie in Almaty ausbauen, wohin er mit guten Gefühlen hetzt

Wien – Wer nachfragt, weil er vor lauter Glück nicht weiß, wie ihm geschieht, ist selber schuld. Also versucht sich Michael Hayböck gar nicht erst an einer Erklärung für seine Siegesserie im Weltcup der Skispringer – das könnte ja kontraproduktiv sein. "Man soll nicht über das Warum und das Wieso nachdenken. Man muss es geschehen lassen", bemüht der 25-Jährige also einen Stehsatz, der zum Skispringen gehört wie der Telemark oder die Diätkost. Dabei ist der Athlet aus Kirchberg-Thening im Bezirk Linz-Land einer der Reflektierteren seiner Zunft. Aber Hayböck weiß auch, dass drei Siege in Serie, wie sie ihm nun in Lahti (Normal- und Großschanze) und Kuopio gelangen, in einem Metier voller Unwägbarkeiten beinahe phänomenal sind.

In der langsam zu Ende gehenden Saison hat vor ihm nur Peter Prevc Selbiges (und sogar zweimal) geschafft. Und der Slowene ist drauf und dran, den Gesamtweltcup zum ersten Mal zu gewinnen. Der letzte Österreicher mit einem Hattrick in Einzelbewerben war nicht etwa der gegenwärtig pausierende Weltrekordweltcupsieger Gregor Schlierenzauer, sonder dessen gegenwärtig vergeblich um Anschluss springender Tiroler Landsmann Andreas Kofler, der 2011 nach einem Erfolg in Kuusamo zweimal in Lillehammer triumphiert hatte.

Wirklich kein Wunder

Immerhin, Hayböck, der ja keineswegs aus dem skispringerischen Nichts kommt, der seit November 2014 imposante 39 Mal unter die besten zehn eines Einzelbewerbs sprang und inklusive seiner nun vier Siege gar 14-mal auf dem Podest landete, bietet schließlich doch noch Erklärungsversuche an. Etwa dass sein Gesamtpaket einfach stimme. Und dass dem einen oder anderen Konkurrenten eventuell ein bisschen das physische und psychische Gas ausgehe, was wegen des derzeit dichten Programms auch wirklich kein Wunder sei.

Natürlich will Hayböck, der beim Dreikönigsspringen des Vorjahrs in Bischofshofen erstmals zum Sieg gefunden hatte, seine eigene Belastung nicht herunterspielen. Mit Ausnahme der beiden Springen in Sapporo hat er sich auch die gesamte Saison gegeben, inklusive der Teamspringen – mit allem Drum und Dran 25 Bewerbe. Beschweren will sich Hayböck auch nicht, "man kann nie genug Wettkämpfe haben". Aber man muss ein Rezept haben.

Richtige Planung

"Wir haben in der Planung viel richtig gemacht", sagt Hayböck und meint damit neben dem Trainerteam um Chefcoach Heinz Kuttin auch Patrick Murnig, den Gründer der Agentur Jump and reach, der auch bei Stefan Kraft unterstützend wirkt – in puncto Persönlichkeitsentwicklung, Marketing, Zeitmanagement.

Die nächsten Aufgaben bedürfen allerdings keiner besonderen Planung. Die Mannschaft reiste gestern Nachmittag aus Finnland nach Hause, heute steht der Flug nach Almaty an, wo am Wochenende zwei Springen auf der Großschanze, übrigens jeweils unmittelbar nach Normalschanzenauftritten der Damen, anstehen. Hayböck ist genau zwölf Stunden daheim, "davon werde ich wahrscheinlich zehn schlafen".

Dennoch reist er mit guten Gefühlen nach Kasachstan. "Ich war erst einmal dort, 2011, da habe ich beide Springen im Kontinentalcup gewonnen." Zu regelmäßigen Einsätzen im Weltcup war er erst im Jahr darauf gekommen. "Es war damals total schwer, eine Stufe höher Fuß zu fassen." Seinerzeit verfügte Österreich allerdings auch permanent über zumindest vier Siegspringer, "das hat heute keine Nation mehr".

Im ÖSV sind es derzeit zwei. Zu Kraft gesellte sich Hayböck, der seine Rolle gerne annimmt und sich über Rang 13 von Philipp Aschenwald in Kuopio unbändig freute. Eine Erklärung für den Aufwärtstrend des 20-jährigen Zillertalers wird ihm nicht abverlangt – sicherheitshalber. (Sigi Lützow, 24.2.2016)

  • Michael Hayböck hat nicht nur sein eigenes Glück vor Augen. Auch gute Resultate der Kollegen erfreuen sein Springerherz.
    foto: afp / lehtikuva / martti kainulainen

    Michael Hayböck hat nicht nur sein eigenes Glück vor Augen. Auch gute Resultate der Kollegen erfreuen sein Springerherz.

Share if you care.