Milan Fashion Week: Im Schatten der Medici

26. Februar 2016, 09:42
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Sowohl Alessandro Michele für Gucci als auch Jeremy Scott für Moschino nahmen in ihren Entwürfen Bezug auf die Renaissance

Mailand – Der mächtige Florentiner Clan hat gleich zwei Kollektionen in den ersten Tagen der Modeschauen von Mailand inspiriert: Sowohl Alessandro Michele für Gucci als auch Jeremy Scott für Moschino nahmen in ihren Entwürfen Bezug auf die Renaissance. Bei Fendi schienen hingegen die frühen 80er zurück, Prada mixt Elemente der 50er-Jahre mit Matrosenhüten, Max Mara nimmt Anleihen beim Bauhaus der 20er-Jahre.

Gucci

Alessandro Michele, der neue Designer bei Gucci, nimmt seinen Auftrag ernst. Er führte das farbenfrohe Gucci-Universum diesmal einen Schritt weiter. Im letzten Jahr hatte das Unternehmen eine Präsentation eines Medici-Teppichzyklus aus dem 16. Jahrhundert gesponsert, jetzt ist die Renaissance auf dem Gucci-Laufsteg angekommen und wurde durch die Zeitmaschine gejagt: Bodenlange Kleider mit gepufften Ärmeln liefen neben den bewährten Nerd-Variationen der 70er-Jahre und monochromen Mini-Looks mit Tütenärmeln auf. Eindrucksvoll: die breiten 80er-Jahre-Schultern einiger Mäntel und Jacken.

foto: reuters/ stefano rillandi, apa/ afp/guiseppe cacace
Gucci
foto: apa/afp/cacae
Gucci

Fendi

Sie überragten alles: Bei Fendi reichten die Overknee-Stiefel bis zum Anschlag der schmalen Model-Oberschenkel. Dazu gab es auf dem Laufsteg wadenlange Schürzenkleider und knappe Minis in Tannengrün, Apricot und Pflaumenfarbe, wuchtige Pelzmäntel, plissierte Röcke und Taschen. Die frühen 80er-Jahre schienen zurück – mit jeder Menge Volants an Blusen, Schuhen, Gürteln. Und neben dem Laufsteg? Fütterten zwei haarige Fendi-Maskottchen die Instagram-Accounts: Piro-chan & Bug-kun hatten im letzten Jahr den neuen Shop in Tokio mit eröffnet, jetzt nahmen sie in der Frontrow Platz.

foto: apa/afp/cacace
Fendi
foto: apa/afp/cacace
Fendi

Prada

Bei Miuccia Prada rückten in den letzten Saisonen in den Männershows ganz selbstverständlich Entwürfe für die Frauen aus. Wer also im Jänner gut aufgepasst hatte, erlebte ein Déjà-vu: Die Models trugen wie damals Matrosenhüte, Rautenstrumpfhosen, Prints von Christophe Chemin, geschnürte Stiefel und hier und da ein geschnürtes Korsett über dem Blazer.

Prada schickte moderne Nomadinnen, die 50er-Jahre-Röcke mit Outdoor-Elementen zu mixen wissen, vor. An Taschen, Ketten und Gürtel geschnürt: in Leder gebundene Miniaturbücher, Schlüssel und kleine Glöckchen. Die Models marschierten zu Tracks von Nico und PJ Harveys 90er-Jahre-Hit "To Bring You My Love" durch das Setting aus Spanholzplatten, das für die Männer aufgebaut worden war. Das alles kam an, der Applaus für Miuccia Prada fiel an diesem Abend besonders wohlwollend aus.

foto: reuters/garofalo/apa/afp/cacace
Prada
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Prada

Moschino

Wo Moschino draufsteht, ist Humor drinnen. Designer Jeremy Scott gab diesmal eine Geschichtsstunde zum Besten. Er knöpfte sich das "Fegefeuer der Eitelkeiten" vor: Ende des 15. Jahrhunderts hatten Dominikanermönche in Florenz aus Protest gegen die Medici auf einem Scheiterhaufen Bücher, Kunst und Kleider verbrannt.

Wie Scott sein "Fegefeuer" auf den Laufsteg brachte? Er ließ aufgemascherlten Leder-Ensembles angekohlte Kleider, Rauch und ein Kristalllusterkleid folgen. So funktioniert Laufstegtheater!

foto: reuters/rellandini
Moschino
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Moschino
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Moschino

Max Mara

Max Mara führte wieder einmal das vor, was das Haus am besten kann: Mäntel natürlich, diesmal durchwegs knöchellang. Die Ärmel wurden auf dem Laufsteg geschoppt, darunter trugen die Models schimmernde Shirts und Hosen. Kollektionsthema war das Bauhaus – und speziell die weiblichen Malerinnen, Textildesignerinnen, Filmemacherinnen der 20er-Jahre. Wie gemacht für starke Frauen von damals wie heute: die tief eingeschnittenen V-Ausschnitte, die aufgesetzten gestreiften Taschen auf schlichten schmalen Kleidern und nicht zuletzt die Hosenanzüge.

foto: max mara
Max Mara
foto: max mara
Max Mara

Pucci

Zum zweiten Mal zeigte Massimo Giorgetti, in den letzten Jahren von den Mailändern für sein farbenfrohes Label MSGM gefeiert, seine Vision für Pucci. Giorgetti lehnte sich dabei an eine weniger bekannte Seite des Florentiner Labels an. Der Designer spielte mit den Silhouetten eng sitzender Skioveralls aus der Mitte des letzten Jahrhunderts, druckte Bergpanoramen auf Steppjacken, die sich in abstrakte Farbsplitter auflösten.

foto: reuters/garofalo
Pucci

(Anne Feldkamp, 26.2.2016)

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