Nashörner in Zoos werden häufig medizinisch falsch behandelt

24. Februar 2016, 16:40
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Unzureichende Untersuchungen und prophylaktische Gabe von Medikamenten in vielen europäischen Tiergärten Usus

Wien – In freier Wildbahn sind Breitmaulnashörner stark gefährdet. Dagegen sind sie in vielen Zoos anzutreffen. Sie sind nicht nur bei den Besuchern beliebt, sondern auch bei den Verantwortlichen, da sie als pflegeleicht gelten. Laut einer Umfrage von Wiener Forschern werden Nashörner aber häufig falsch medizinisch behandelt. Vor allem die Gabe von Antibiotika und entzündungshemmenden Medikamenten ohne ausreichende Diagnose sei äußerst problematisch. Tatsächliche Erkrankungen könnten dadurch übersehen werden, berichten die Biologen im "Journal of Zoo and Aquarium Research".

Für ihre Studie untersuchten die Wildtierexperten Annika Posautz, Felix Knauer und Chris Walzer von der Vetmeduni Vienna die Haltungsbedingungen im Rahmen einer Online-Umfrage. An der Umfrage nahmen 45 Zoos aus Europa und Israel teil, in denen 159 südliche Breitmaulnashörner gehalten werden. "Wir wollten herausfinden, welche Probleme es in europäischen Zoos gibt und was verbessert werden könnte", sagte Posautz.

Der Untersuchung zufolge leiden die Tiere vor allem unter Erkrankungen der Haut, der Fortpflanzungsorgane sowie an Darm- und Magenentzündungen. Bei den Hauterkrankungen dominieren Kampfwunden, die sich die Tiere gegenseitig zufügen.

Zögerliche Tierärzte

Es zeigte sich aber auch, dass die Nashörner in vielen Fällen lediglich oberflächlich untersucht werden. So sei die Gefahr gegeben, die tatsächlichen Erkrankungsursachen gar nicht zu finden bzw. im Unklaren zu bleiben, welche Erkrankung man überhaupt behandelt. Nach Ansicht der Forscher hat das auch damit zu tun, dass Zootierärzte zögerlich seien, die Nashörner für eine ausführliche Untersuchung und Therapie zu narkotisieren. Sie würden ob des großen Aufwandes und des vermeintlichen Risikos zurückschrecken.

Besorgniserregend sei, dass den Tieren in vielen Zoos ohne exakte Diagnose über viele Monate hinweg Antibiotika und entzündungshemmenden Medikamente gegeben würden. Posautz: "Solche Medikamente sind für kurzzeitige Behandlungsmaßnahmen gut geeignet. Eine dauerhafte Gabe, ohne fundierte Diagnose, ist in unseren Augen gefährlich für die Tiere." Die Biologen raten zu regelmäßigen Untersuchungen, etwa in Form von parasitologischen Screenings oder Blutuntersuchungen. (APA, red, 24.2.2016)


Abstract
Journal of Zoo and Aquarium Research: "Health and health management of captive white rhinoceroses (Ceratotherium simum): results from an online survey"

  • Nashörner zu narkotisieren, ist keine ganz einfache Angelegenheit, zur richtigen Krankheitsdiagnose aber oft vonnöten.
    foto: chris walzer/vetmeduni vienna

    Nashörner zu narkotisieren, ist keine ganz einfache Angelegenheit, zur richtigen Krankheitsdiagnose aber oft vonnöten.

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