Lehrerausbildung: Südostösterreich will mehr über Volksschulen forschen

24. Februar 2016, 15:31
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Pädagogische Hochschulen in der Steiermark, Kärnten und dem Burgenland forcieren die Forschung zur Primarstufe

Graz – Volksschullehrer studieren seit Herbst im Rahmen der "PädagogInnenbildung neu" länger. Im Entwicklungsverbund Südost mit der Steiermark, Kärnten und dem Burgenland haben vier Pädagogische Hochschulen den Studienplan der nunmehr vierjährigen Ausbildung gemeinsam entwickelt. Im "Forum Primar" wollen sie nun auch die Forschung im Bereich der Primarstufe vorantreiben.

Rechnen, Schreiben, Lesen, selbstständiges Denken und Arbeiten, Spaß am Lernen – oder auch nicht: Volksschullehrer spielen für die spätere Bildungskarriere ihrer Schüler eine entscheidende Rolle. Sie sind in jener Phase der kindlichen Entwicklung tätig, die die Lern- und Entwicklungspsychologie als die bedeutsamste für die spätere Bildungslaufbahn ansieht.

Gleiche Ausbildung

"Das ist Grund genug dafür, dass Volksschullehrer – und in Zukunft wohl auch Kindergartenpädagoginnen und -pädagogen – eine gleichwertig akademische Ausbildung erhalten müssen wie ihre Kollegen in den NMS, AHS und BHS", sagte Elgrid Messner, Rektorin der PH Steiermark, am Mittwoch anlässlich einer Tagung des Entwicklungsverbunds Südost. Seit dem Herbst seien die künftigen Lehrer für die Primarstufe in ihrer Ausbildungsqualität den Kollegen von Neuen Mittelschulen und AHS/BHS gleichgestellt.

Die neue Lehrerausbildung stelle sicher, dass jeder angehende Lehrer – egal ob er an einer Universität oder einer PH studiert – ein vierjähriges Bachelorstudium mit fundierter wissenschaftlicher und ausgeprägt praktischer Ausbildung absolvieren muss. Praktische Unterrichtserfahrung wurde ab dem zweiten Semester ins Curriculum eingebaut, so Messner. Nach dem Abschluss mit dem "Bachelor of Education" muss für die Fixanstellung noch ein zwei- bis dreisemestriges Masterstudium absolviert werden. Grundschullehrer schließen damit erstmals ihre Ausbildung mit einem "Master of Education" ab. "Österreich zieht hier international endlich nach. Das ist aus meiner Sicht eine wirklich große Revolution", sagte Marlies Krainz-Dürr, Rektorin der PH Kärnten.

Mehrere Spezialisierungen für angehende Lehrer

Neben grundlegenden Kompetenzen für die individuelle Förderung der Kinder müssen sich die angehenden Volksschullehrer in einem Bereich spezialisieren. Für Krainz-Dürr ist auch das ein großer Fortschritt, "denn durch die Möglichkeit der fachlichen und fachdidaktischen Vertiefung in bestimmte Lernbereiche gibt es auch an den Volksschulen Fachexperten, von denen die ganze Schule profitieren wird".

Die Pädagogische Hochschule Kärnten bietet derzeit drei Schwerpunkte an, die PH Steiermark sieben, die KPH Graz fünf und die PH Burgenland vier. Jeder Schwerpunkte umfasse rund ein Viertel des gesamten Studiums, sagte Sabine Reissner vom Institut für Professionalisierung in der Elementar- und Primärpädagogik an der PH Steiermark.

Innerhalb des Masterstudiums müssen sich die angehenden Lehrer erneut in einem der Fächer oder in einem der Förderbereiche (Sehen, Hören, Sprache) spezialisieren. Um die fachdidaktische Forschung im Bereich der Primarstufe voranzutreiben, hat der Entwicklungsverbund Südost das "Forum Primar" gegründet. Es dient als Austausch- und Vernetzungsplattform der Hochschullehrenden, koordiniert Forschungsprojekte, die sich auf die Primarstufe beziehen, und dient als Plattform, um sich über Entwicklungen in der Grundschullehrerausbildung auszutauschen. (APA, 24.2.2016)

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