Mensdorff-Pouilly und Balluch vergleichen sich vor Gericht

24. Februar 2016, 16:31
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Jagdherr Alfons Mensdorff-Pouilly sah sich von Tierschützer Martin Balluch und seinen Mitstreitern besitzgestört und klagte auf Unterlassung. Man verglich sich, gab einander die Hand und war wieder gut

Güssing – Es war angerichtet: zwei zu allem entschlossene Streithansln; zwei mit allen Wassern gewaschene Anwälte; ein vergleichsweise nebbicher Streitfall, in dem man sich leicht verheddern kann; ein Gericht, vor dem es zur Sache gehen sollte, und eine Medienmeute, die für das kleine, baulich ein wenig bemitleidenswerte Bezirksgericht Güssing sich recht spektakulär ausnahm.

Ein Versprechen von Simmering gegen Kapfenberg

No na: Alfons Mensdorff-Pouilly vs. Martin Balluch, Jägerschaft also quasi versus kampfeslustigen Tierschutz – das versprach tatsächlich so etwas wie Simmering gegen Kapfenberg.

Es kam allerdings ganz anders. Der Beklagtenverteter, der also von Martin Balluch, dachte schon laut über einen allfällig durchzuführenden Lokalaugenschein nach. Aber Richter Christian Eggenberger erinnerte sehr geschickt daran, worum es hier – Bezirksgericht! – in Wirklichkeit ging: Herr Mensdorff-Pouilly klage ein, dass Herr Martin Balluch, Chef derer vom Verein gegen Tierfabriken, es in Zukunft unterlasse, den Besitz des Klägers nahe seinem Schloss in Luising zu stören. Balluch, der Treibjagden des Klägers dokumentieren wollte, habe die Klage so beantwortet, dass er eh nie gestört habe und es natürlich auch künftighin nicht vorhabe. Alles andere, worum es auch ging – von der Anzeige wegen Tierquälerei gegen Mensdorff bis zur Frage der Gatterjagd –, sei seine, des Bezirksrichters Sache nicht. "Es ist ein kleines Prozesserl angesichts der weltanschaulichen Differenzen", sprach der Richter wahr.

Vorm Bezirksgericht lasse sich "nicht die ganze Welt ändern", schrieb Eggenberger dem Martin Balluch, der sich dann mit seinem Anwalt zur Beratschlagung zurückzog, ins Stammbuch. Und mahnte beide: "Wollen Sie wirklich Ihre Energie und Ihr juristisches Gehirnschmalz in diesen Prozess stecken?"

Balluch überlegte. Mensdorff schaute und setzte zum Reden an, Eggenberger war schneller: "Net, dass Sie ihn jetzt bös' machen!" Mensdorff schwieg. Christian Eggenberger, der vor vier Jahren vom Wiener Handelsgericht nach Güssing gewechselt ist, hatte da den richtigen Ton getroffen. Der von ihm vorgelegte Vergleich wurde nach kurzem Zögern angenommen.

Während der Wartezeit bis zum Vergleichen nahm der Richter, der Mediationsseminare absolvierte und "ein paar Semester Psychologie studiert" hat, die Schar der Balluch'schen Mitkämpferinnen auf den Zuhörerbänken ins Gebet: dass man sehr wohl demonstrieren könne, aber es doch g'scheiter wäre, anstatt "mit der Bezirkshauptmannschaft zu streiten oder sich mit der Polizei einzulassen", doch "Lobbyarbeit beim Gesetzgeber" zu machen. Das burgenländische Jagdgesetz sei sowieso gerade in Änderung.

Landgraf und Tierschützer

Balluch stimmte dem Vergleich also zu, Mensdorff-Pouilly – der Mann, der auf eine verblüffend rurale Weise zu näseln versteht – auch. Die beiden schauten einander tief in die Augen beim Handgeben. "Wenn man sich in die Augen schaut, ist das gleich was anderes", erklärte der Kläger, der so gerne ein Landgraf wäre, dass er diesen ausgesprochen lebensecht spielen kann.

Man tauschte die Handynummern. (Mensdorff: "Meine ist privat, stelln S' die bitte nicht ins Internet.") Der Landgraf hielt ausdrücklich fest, dass Eingeladene naturgemäß den Besitz nicht stören. Balluch nahm die Einladung an. Demnächst also in Luising! (Wolfgang Weisgram, 24.2.2016)

  • Der Herr ganz links machte den ganz rechts gerichtsanhängig. Am Ende aber gaben Kläger Alfons Mensdorff-Pouilly und Beklagter Martin Balluch einander die Hand und tauschten sogar Handynummern.
    apa/robert jäger

    Der Herr ganz links machte den ganz rechts gerichtsanhängig. Am Ende aber gaben Kläger Alfons Mensdorff-Pouilly und Beklagter Martin Balluch einander die Hand und tauschten sogar Handynummern.

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