Dem australischen Teddybären droht das Ende

25. Februar 2016, 08:06
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Bulldozer machten in den vergangenen zwei Jahren mehr als 40.000 Hektar Koala-Lebensraum platt

Die Fahrt entlang der australischen Ostküste auf dem Pacific Highway zeichnet sich durch zwei Dinge aus, die man nicht sieht: den Pazifik und Koalas. Trotz des Namens der Straße ist das Meer in der Regel viele Kilometer von dieser wichtigsten Verbindung zwischen Nord und Süd entfernt. Wer das Wasser sehen will, muss vielerorts einen Umweg in Kauf nehmen. Nicht viel anders ist es beim Koala: Das australische Kuscheltier gibt es meist nur noch auf gelben Warnschildern oder im Zoo.

Die träge und langsam wirkenden Tiere in Freiheit zu sehen wird ein immer selteneres Erlebnis. Die Zersiedelung entlang der Ostküste hat die Lebensräume der einst endemischen Beuteltiere zerschnitten. Wo die gemächlichen Eukalyptusblattfresser einst von einem Baum auf den nächsten klettern konnten, befinden sich heute eine Straße, ein Einkaufzentrum, ein Eigenheim. Für die territorialen Tiere bedeutet dies nicht selten den Hungertod, sofern sie nicht von einem Auto überfahren werden.

40.312 Hektar Lebensraum gerodet

Australien erklärte Koalas jüngst zur bedrohten Tierart. Nirgendwo ist die Situation prekärer als im Bundesstaat Queensland. Dort geht die Zerstörung von Lebensräumen mit rasanter Geschwindigkeit weiter. Der Raubbau eskalierte, nachdem die frühere, ultrakonservative Regierung von Queensland entsprechende Gesetze über den Haufen geworfen hatte. Seither rodeten Bauern und Bauunternehmen mehr als 40.312 Hektar Koala-Lebensraum. Darin lebten – und starben – mehr als 200 verschiedene Tier- und Pflanzenarten. Wo früher Natur war, stehen heute Einfamilienhäuser oder weiden Fleischrinder.

Koalas sollen als Vorbild für den Teddybären gedient haben. Sie sind aber keine Bären, sondern wie Kängurus Beuteltiere. Koalas sind inzwischen in fast allen ihren Lebensgebieten auf dem Kontinent gefährdet. Zwar gibt es an einzelnen Orten zu große Bevölkerungsgruppen: Etwa auf der südaustralischen Känguru-Insel, wo Koalas ursprünglich nicht vorkamen, führt dies heute zu Übervölkerungsproblemen. Diese Tiere aber wieder umzusiedeln ist nicht einfach. Koalas leben nicht nur revierbezogen, sie sind auch äußerst wählerisch, was ihre Nahrung angeht. Sie fressen nur die Blätter einer Handvoll der 700 verschiedenen in Austra- lien vorkommenden Eukalyptusarten.

Wichtiger Wirtschaftsfaktor

Laut offiziellen Statistiken ist in den Bundesstaaten Queensland und New South Wales die Zahl der Koalas zwischen 1990 und 2010 um 42 Prozent zurückgegangen. Im besonders besiedelten Gebiet südlich der Stadt Brisbane wurde gar ein Rückgang von 68 Prozent festgestellt. Dabei sind Koalas als Devisenbringer für die australische Tourismusindustrie ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Das Knuddeln eines Koalas in einem Tierpark ist ein wichtiger Bestandteil des Erlebnisses für Tausende von Australien-Besuchern. (Urs Wälterlin aus Brisbane, 25.2.2016)

  • Australien erklärt Koalas zur bedrohten Tierart.
    foto: ap/wong maye-e

    Australien erklärt Koalas zur bedrohten Tierart.

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