Schlechte Stimmung bei Unternehmern bremst Aufschwung

23. Februar 2016, 18:11
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Trotz günstiger Energie und niedriger Zinsen scheint sich die wirtschaftliche Erholung der Eurozone abzuschwächen

Wien – Die Gemütslage unter den Unternehmern in der Eurozone war schon einmal besser. Jüngster Indikator: Die Erwartungen der deutschen Firmenchefs, gemessen am sogenannten Geschäftsklimaindex, haben sich im Februar den dritten Monat in Folge verschlechtert. Der wichtigste Frühindikator für die Entwicklung der deutschen Konjunktur, zu dessen Erhebung das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) regelmäßig 7000 Manager befragt, zeigt: Führungskräfte beurteilten die Geschäftsaussichten für die kommenden sechs Monate deutlich pessimistischer als zuletzt.

"Wir werden eine Abkühlung der Konjunktur erleben", sagt Ifo-Ökonom Klaus Wohlrabe zum STANDARD über die Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft. Hauptverantwortlich für den Absturz sind die Industriefirmen: Deren Erwartungen gaben so stark nach wie seit November 2008 nicht mehr.

Schwächelnde Eurozone

Damals, auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, stand die Weltwirtschaft am Abgrund, heute grundsätzlich auf festerem Boden. Laut Internationalem Währungsfonds (IWF) betrug das globale Wachstum im Vorjahr 3,1 Prozent. Für 2016 werden 3,4 Prozent vorausgesagt, 2017 dann 3,6 Prozent. Der Großteil des Wachstums – rund 70 Prozent – kommt aber aus den Entwicklungs- und Schwellenländern.

Die Eurozone hingegen dümpelt vor sich hin und bleibt laut IWF für ökonomische Schocks besonders anfällig. So korrigierte die Industrieländer-Organisation OECD vergangene Woche ihre Wachstumsprognose für 2016 massiv nach unten – von 1,8 Prozent auf 1,4 Prozent. Zudem wuchsen die Aufträge in der Eurozone zuletzt so schwach wie seit über einem Jahr nicht mehr.

Ungelöste Probleme

Auch der niedrige Ölpreis und anhaltend niedrige Zinsen im Euroraum scheinen die Stimmung unter den Unternehmern nicht aufzuhellen. Ähnlich wie beim Einbruch der Aktienmärkte zu Beginn des Jahres rätseln auch in dieser Frage die Experten, ob die Befürchtungen übertrieben oder realistisch sind.

Laut Guntram Wolff von der in Brüssel ansässigen Denkfabrik Bruegel treffen derzeit viele Unsicherheitsfaktoren aufeinander. Die schwächelnde chinesische Konjunktur zähle ebenso dazu wie die fehlende europäische Stabilität im Zuge der Flüchtlingskrise. "Diese geopolitischen Risiken lassen sich kaum quantifizieren, aber die Unternehmer betrachten sie mit Sorge", sagt Wolff. Die externen Schocks paarten sich mit längerfristigen strukturellen Faktoren. "Viele grundlegende Probleme sind ungelöst, etwa die hohe Schuldenquote in der Eurozone", so Wolff. Sind die Fundamentaldaten schwach, könnten externe Schocks sich in höherem Maße negativ auswirken.

Diffuse Ängste

Für Walter Pudschedl, Analyst bei der Bank Austria, sind vor allem drei Faktoren für die auch in Österreich unterdurchschnittlichen Erwartungen der Unternehmer verantwortlich: "Die etwas diffuse Angst vor weiteren Verlusten an den Aktienmärkten, die Angst vor hohen Kosten, falls die innereuropäischen Grenzen dichtgemacht werden, und die Euroaufwertung der vergangenen Monate." Mäßige Konjunkturdaten für China spielten hingegen eine eher latente Rolle. Für Österreichs Unternehmen sei die Auftragslage dort noch immer gut. Allerdings verzeichneten die Exporteure 2015 schon einen leichten Rückgang bei den China-Ausfuhren.

Stefan Schiman, Ökonom am Wirtschaftsforschungsinstitut, warnt davor, zu viel in die Stimmungsindikatoren hineinzuinterpretieren: "Die Erwartungen für die Zukunft sind volatil und schlagen sich in der tatsächlichen Wertschöpfung nur bedingt nieder." Wie Wolff meint aber auch Schiman: Solange grundlegende Probleme nicht behoben werden, sei nicht mit einem stärkeren Aufschwung zu rechnen, wie ihn etwa die USA in den vergangenen Jahren erlebten. Daran könnten weder der tiefe Ölpreis noch die niedrigen Zinsen etwas ändern. (Simon Moser, 23.2.2016)

  • Abendstimmung im Hamburger Hafen: Schulden- und andere Probleme verhindern, dass die Wirtschaft in ruhigere Gewässer segelt.
    dpa / daniel reinhardt

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