Niederlage für Evo Morales: Boliviens weitsichtige Bürger

Kommentar23. Februar 2016, 17:36
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Die Bolivianer haben demokratiepolitische Weitsicht und Mündigkeit bewiesen

Drei Amtszeiten sind genug für Evo Morales. Das haben 6,5 Millionen Bolivianer per Referendum so beschlossen. Sie wollen keine Verfassungsreform, sie wollen kein viertes Mandat für den Präsidenten, der nach dem Tod von Venezuelas Staatschef Hugo Chávez vor drei Jahren und dem Machtverlust des Kirchner-Lagers in Argentinien im Vorjahr zur Führungsfigur der lateinamerikanischen Linken avanciert ist.

Morales wurde 2005 als erster indigener Politiker seines Landes ins Präsidentenamt gewählt, und seine Beliebtheit war auch bei seinen beiden Wiederwahlen intakt. Doch heute zeigt sich die Marke Morales stellenweise abgenutzt. Vor allem die urbane Bevölkerung des Landes hat sich – nicht zuletzt wegen Vorwürfen von Korruption und Günstlingswirtschaft – von ihm abgewandt. Eine wahre Hausmacht hat er nur noch in den entlegeneren Regionen. Der revolutionäre Charakter seiner Politik verblasst langsam, freilich zugunsten einer bisher nicht gekannten Stabilität, die Bolivien langsam aus bitterer Armut führen könnte.

Aus diesem Erfolg aber einen verlängerten Machtanspruch ableiten zu wollen, das goutierten die Bolivianer nicht. Zu nah – historisch und geografisch – sind die Erfahrungen mit autoritären Regenten. Über einen solchen Verdacht wäre Morales selbst wohl erhaben, eine Ausdehnung der präsidialen Amtszeit würde aber auch die Zeit nach Morales betreffen. Insofern haben die Bolivianer demokratiepolitische Weitsicht und Mündigkeit bewiesen.(Gianluca Wallisch, 23.2.2016)

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