Türkei beharrt auf Terrorgefahr durch syrische Kurden

23. Februar 2016, 16:53
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Erdogan: Syrien ist ein Terrorexporteur geworden

Ankara/Athen – Trotz der Ungereimtheiten bei der Identität des Selbstmordattentäters von Ankara hält die politische Führung in der Türkei an ihrer Überzeugung fest, die Kurden in Syrien verübten Terroranschläge in der Türkei. Syrien sei ein "Terrorexporteur" geworden, erklärte Staatspräsident Tayyip Erdogan am Dienstag in einer Rede.

Präsident und Regierungschef nannten wenige Stunden nach dem Selbstmordanschlag auf Soldaten in Ankara am 17. Februar einen kurdischen Syrer namens Salih Neccar als Attentäter. Neccar sei ein Mitglied der syrischen Kurdenmiliz YPG, behaupteten Erdogan und Premier Ahmet Davutoglu. Die USA sollten daher endlich ihre Unterstützung für die YPG aufgeben und die Miliz ebenso wie die ihr zugehörige Partei PYD als Terrororganisation betrachten. Das türkische Militär nimmt seit 13. Februar Stellungen der YPD unter Beschuss.

Mittlerweile stellte sich jedoch heraus, dass der Attentäter türkischer Staatsbürger war, aus Van stammte und mit richtigem Namen Abdulbaki Sömer hieß. Sömer war allerdings im Juli 2015 aus Syrien eingereist und ließ sich aus nicht ganz klaren Gründen als Flüchtling registrieren. Für Sömers Begräbnis in Van hielten die Angehörigen am Montag eine Trauerfeier ab, zu der auch eine Parlamentarierin der prokurdischen Minderheitenpartei HDP kam.

Touristen als Ziel

Zum Anschlag bekannte sich eine Splittergruppe der PKK, die Kurdistan-Freiheitsfalken (TAK). Sie trat vor mehr als zehn Jahren erstmals in Erscheinung und verübte eine Reihe von Anschlägen auf Türkei-Touristen in Marmaris, Antalya oder Kusadasi. Auch ein Bombenanschlag auf den Flughafen Sabiha Gökçen im asiatischen Teil Istanbuls im Dezember vergangenen Jahres geht auf das Konto der TAK. Die Außenämter in den EU-Staaten mahnen mittlerweile zur Vorsicht bei Reisen in die Türkei. (Markus Bernath, 23.2.2016)

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