Konzentrationsmaschinen für Rotwein

Kolumne2. März 2016, 13:28
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Warum wiederbeleben, was schon tot scheint: Rotweine, die nicht einmal der Dekanter rettet

Just in jener Zeit, als heimische Rotweine immer gefälliger gerieten, glaubte man, die ohnehin schon schlappen Dinger auch noch auf Teufel komm raus dekantieren zu müssen. Jeder noch so gewöhnliche Zweigelt, weichgespülte Blaufränkische oder verdorrte Syrah wurde in Karaffen befördert, bis der letzte Hauch von Leben aus ihm wich.

Damals vor 20 Jahren wurde gerade das "Österreichische Rotweinwunder" proklamiert. Es glich wirklich einem Wunder, dass in großartigen Jahren wie 1997 oder 1999 mitunter Rotweine auf den Markt kamen, die sich optisch wie geschmacklich kaum von Beerenmus unterschieden. Konzentrationsmaschinen, die mittels "Umkehrosmose" oder "Vakuumverdampfung" Wein im Moststadium Flüssigkeit entzogen, ermöglichten dieses Wunder.

Die beliebte Methode, um in verregneten Jahren zu dünn geratene Rotweine zu verdichten, wandte man hierzulande ausgerechnet in den sonnenreichsten Jahren an. Unter bizarren Namen wurden sie teuer angeboten – allein, sie verkauften sich schlecht. Künstlich konzentrierte Weine zeichnen sich zudem nicht durch Lagerpotenzial aus. Und so gammeln sie auf etlichen Weinkarten vor sich hin. Wenn sich doch jemand ihrer erbarmt, werden die nunmehr dunkelbraunen Gewächse dekantiert und in poolgroße Gläser geleert – als müsste man Mumien noch beatmen. (Christina Fieber, RONDO, 26.2.2016)

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    foto: dpa/ boris roessler
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