Maria Vassilakou: Zeitdruck und pikierte Bürger

12. April 2016, 12:25
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Die Wohnungsknappheit hält das Ressort der Planungsstadträtin auf Trab. Experten fordern schnellere Flächenwidmungen in Wien

Wien – Der massive Bevölkerungsanstieg in Wien und die damit verbundene Wohnungsknappheit stellt nicht nur Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (SPÖ) vor Probleme. Dass die Stadt allein im Vorjahr um 43.200 Einwohner angewachsen ist, fordert auch das Ressort von Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne) heraus. Denn bevor Wohnungen gebaut werden können – ab 2018 13.000 jährlich -, muss die Stadträtin für Stadtentwicklung, Verkehr und Bürgerbeteiligung ausreichend Flächen widmen.

Bis 2020 würden 50.000 Wohnungen gewidmet. Man sei "gut aufgestellt", sagte Vassilakou zum STANDARD. "Abhängig davon, wie viel sich die Stadt an Infrastruktur leisten kann", seien bis zu 80.000 möglich.

Hinzu komme eine Reserve von 33.000 Wohnungen. Das sind Flächen, auf welchen trotz abgeschlossener Widmung nicht gebaut werden kann, wie etwa hinter dem Heeresspital im 21. Bezirk, wo sich der Bau von 1.600 Wohnungen wegen der streng geschützten Zieselpopulation seit Jahren verzögert.

Zahlen seien "vernünftig"

Laut Wolfgang Amann vom Institut für Immobilien Bauen und Wohnen klingen die Zahlen "vernünftig". Vassilakou müsse aber erst unter Beweis stellen, dass sie umzusetzen sind. Hinderlich sei oft, dass Bewilligungen an die soziale Infrastruktur – etwa den Bau von Schulen – gekoppelt seien. Die zuständigen Ressorts müssten intensiver zusammenarbeiten, damit Grundstücke nicht ungenutzt liegen bleiben. Auch bei der innerstädtischen Verdichtung müsse mehr getan werden.

"Steile Lernkurve"

Den Bedarf an Widmungen beziffert Amann mit mehr als 17.000 pro Jahr (85.000 in fünf Jahren). Das Planungsressort sei unter grüner Führung in einer schwierigen Situation. Es versuche, die Anforderungen der wachsenden Stadt mit Bürgerbeteiligung und Naturschutz zu vereinen. Anfangs habe sich das Ressort "schwergetan, Geschwindigkeit aufzunehmen" , mittlerweile habe es eine "steile Lernkurve" hinter sich. Es ginge aber immer noch zu langsam.

Bürger fordern Einbeziehung

Vassilakou verweist auf das Koalitionspapier von Rot-Grün II, in welchem festgelegt wurde, dass die Abläufe beim Wohnbau einfacher und rascher werden sollen, "aber nicht auf Kosten der Bürgerbeteiligung". Trotzdem erntet die Stadträtin immer wieder Kritik von Bürgern, die sich nicht ausreichend einbezogen fühlen – etwa von jenen, die gegen die Baupläne auf den Steinhofgründen in Penzing oder die Umwidmung rund um das Casino Zögernitz in Döbling protestieren. Auch die Bezirke kritisierten schon in der Vergangenheit wiederholt, dass über sie "drübergefahren" werde.

Unmut über Großparkplatz

Aktuell sorgt der geplante Großparkplatz vor dem Schloss Schönbrunn für Unmut: Es wäre "absolut notwendig" gewesen, den Bezirk in die Planung einzubeziehen, sagte die Hietzinger Bezirkschefin Silke Kobald (ÖVP), die hofft, dass das letzte Wort in der Sache noch nicht gesprochen ist. Sie verstehe, dass Wien Busparkplätze brauche, "aber das kann nicht vor der Hauptsehenswürdigkeit Österreichs passieren".

Aus dem Büro Vassilakou heißt es, dass die Stadt nicht viel mitzureden habe, da das Areal zur Schloss Schönbrunn Kultur- und Betriebsgesellschaft gehöre, die im Eigentum des Bundes ist. Und einen Grund, sich querzustellen, habe die Stadt nicht – sie verspricht sich eine Entlastung: Touristenbusse, die die Innenstadt ansteuern, sollen künftig in Hietzing parken, Touristen mit der U-Bahn in die City fahren.

Zentraler Busterminal

Mit dem schon länger geforderten zentralen Busterminal in Wien habe das nichts zu tun. Denn der sei für Linienbusse gedacht, sagte ein Sprecher Vassilakous. Der Terminal werde in dieser Legislaturperiode umgesetzt. Der Standort soll noch 2016 feststehen.

Bis Jahresende soll sich auch bei der Gestaltung des öffentlichen Raums einiges tun: So soll etwa die Sanierung des Stephansplatzes im Herbst starten und das Siegerprojekt für die Neugestaltung des Schwedenplatzes im Juni präsentiert werden. (Christa Minkin, 12.4.2016)

  • Die Stadtentwicklung am Nordbahnhof schreitet voran. Bevor Wohnungen in Wien gebaut werden können, muss das Planungsressort unter Maria Vassilakou Flächen entsprechend widmen.
    foto: christian fischer

    Die Stadtentwicklung am Nordbahnhof schreitet voran. Bevor Wohnungen in Wien gebaut werden können, muss das Planungsressort unter Maria Vassilakou Flächen entsprechend widmen.

  • Steckbrief Maria Vassilakou (Grüne)
Funktion: Stadträtin für Stadtentwicklung, Verkehr, Klimaschutz, Energieplanung und Bürgerbeteiligung, im Amt seit 25. November 2010, außerdem Vizebürgermeisterin
Investitionsvolumen für Wohnbau und Infrastruktur: 8 Milliarden Euro auf die nächsten 5 Jahre
Mitarbeiter: rund 1.700
    foto: heribert corn

    Steckbrief Maria Vassilakou (Grüne)

    Funktion: Stadträtin für Stadtentwicklung, Verkehr, Klimaschutz, Energieplanung und Bürgerbeteiligung, im Amt seit 25. November 2010, außerdem Vizebürgermeisterin

    Investitionsvolumen für Wohnbau und Infrastruktur: 8 Milliarden Euro auf die nächsten 5 Jahre

    Mitarbeiter: rund 1.700

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