Präsidentschaftskandidaten gehen auf Unterschriftenfang

23. Februar 2016, 15:02
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Jeder Kandidat braucht 6.000 Unterstützungserklärungen, um antreten zu können. Richard Lugner sammelte auf der Mariahilfer Straße, Khol und Van der Bellen in Innsbruck

Wien – Mit dem Sammeln der Unterstützungserklärungen ist am Dienstag der Startschuss für das Rennen um die Hofburg gefallen. Richard Lugner war in Wien auf der äußeren Mariahilfer Straße auf Unterschriftenfang. Mit "San Sie Österreicher?" begrüßte der 83-Jährige Passanten, auch dabei: seine 26-jährige Frau Cathy. Umringt von zig Fotografen und Kameraleuten versuchte Lugner wahlberechtigte Fußgänger ins Amtshaus ums Eck zu locken.

foto: apa/jäger
Richard Lugner auf Unterschriftenfang.

Die Präsidentschaftskandidaten brauchen 6.000 Unterschriften, um am 18. März einen Wahlvorschlag einreichen zu können und am 24. April auf dem Stimmzettel zu stehen. Jeder Österreicher, der am Stichtag stimmberechtigt ist, kann für einen Österreicher, der älter als 35 Jahre ist, eine Unterstützungserklärung abgeben. Damit die Unterschrift gültig ist, muss er aufs Gemeindeamt oder den Magistrat gehen, wo bestätigt wird, dass er am 23. Februar wahlberechtigt war.

Händeschütteln ja, unterschreiben nein

Lugner marschierte in ein Café und setzte sich zu den Gästen an die Tische. Bis auf den Wirt war aber keiner bereit, für den Societylöwen zu unterschreiben. Auf der Straße erkannte ihn eine Gruppe Jugendlicher schon von weitem. Auch hier: Händeschütteln ja, unterschreiben nein. Einen Passanten konnte Lugner schließlich überzeugen, der hatte aber leider nur einen Schülerausweis bei sich. An die zehn Unterschriftswillige fanden sich in der ersten Stunde dann aber doch.

Lugner ist zuversichtlich, die Hürde zu schaffen. Jene rund 8.500 Personen, die beim letzten Antreten 1998 für ihn unterschrieben haben, werden angeschrieben, und von den 1.500 Mitarbeitern der Lugner-City werden auch einige unterschreiben, hofft Lugner. Vor fünf Wiener Bezirksämtern stehen zudem 30 Wahlkampfhelfer in weinroten "Lugner for President"-Jacken, rekrutiert über eine Personalagentur, darunter Schüler, die damit ihr Taschengeld aufbessern.

Griss sammelt in Graz

Irmgard Griss gab bereits am Dienstag im Amtshaus in der Amerlingstraße im sechsten Wiener Bezirk eine Unterstützungserklärung für sich selbst ab. Am Mittwoch wirbt sie dann in der Schmiedgasse in der Grazer Innenstadt um Unterschriften von Wählern. Griss' Wahlkampfteam hinterließ Dienstagmittag ebenfalls kollektiv die ersten Unterstützungserklärungen.

Die ÖVP will sich modern geben und rief via Social Media eine "Andreas-Khol-Unterstützungs-Challenge" zur internen Mobilisierung aus. ÖVP-Generalsekretär Peter McDonald war am Dienstagvormittag schon am Magistrat in der Lerchenfelder Straße im achten Bezirk, um für seinen Parteikollegen zu unterschreiben. Damit es ihm möglichst viele gleichtun, appelliert die ÖVP nun nach dem Vorbild der "Ice Bucket Challenge" und anderer mehr oder weniger lustiger Netzspielchen an die (Online-)Ehre: Auf Facebook forderte McDonald unter anderem Minister Sebastian Kurz und Staatssekretär Harald Mahrer auf, innerhalb von drei Tagen ein Foto oder Video von sich mit ihrer Unterstützungserklärung zu posten und ebenfalls jemanden zu nominieren.

Meine Unterschrift für Andreas Khol! Jetzt seid ihr dran – Sebastian Kurz, Harald Mahrer und Helena Kirchmayr! Ihr habt...

Posted by Peter McDonald on Dienstag, 23. Februar 2016

Khol selbst begann das Sammeln am Dienstag in Innsbruck. Auf Einladung der Tiroler VP-Frauen stand er zunächst gemeinsam mit seiner Gattin Heidi in seinem "Stammcafé" Central Interessierten Rede und Antwort, um dann eine Gruppe Unterstützer ins Meldeamt im Rathaus zu begleiten.

Van der Bellen sieht sich weiter als Außenseiter

Der ehemalige Grünen-Chef Alexander Van der Bellen sieht sich trotz der Führung in mehreren Umfragen weiter als Außenseiter bei der Präsidentenwahl. "Aber einer mit echten Chancen", sagte der 72-Jährige am Dienstag beim Start seiner Unterschriftensammlung vor dem Innsbrucker Rathaus. Er wolle die Umfragen nicht überbewerten. "Aber es ist natürlich angenehmer, als der Letzte zu sein."

Das Sammeln der Unterstützungserklärungen sei auch auf heimatlichem Boden "keine gmahde Wies'n", sagte der Tiroler bei seinem Auftritt auf der Maria-Theresien-Straße vor den Rathausgalerien. Das Gespräch mit potenziellen Wählern kam dabei fast zu kurz, dafür durfte er immer wieder Glückwünsche von Passanten entgegennehmen und Fotobitten nachkommen.

foto: apa/expa/johann groder
Van der Bellen nahm Glückwünsche von Passanten entgegen.

Dann ging es auch noch – begleitet von Kamerateams, Fotografen und Journalisten – mit Unterstützungserklärung durch die Rathausgalerien zum nahe gelegenen Meldeamt der Stadt.

Ein paar Unterstützungserklärungen hat auch Elfriede Awadalla, die bei der Wien-Wahl für das KPÖ-Piraten-Bündnis "Wien anders" antrat, schon beisammen. Sie hielt Dienstagvormittag eine kurze Rede vor einer Handvoll Fans bei der U4-Station Pilgramgasse nahe dem Bezirkamt Margareten, begleitet von den Balkanklängen eines Ziehharmonikaspielers.

foto: apa/jäger
Elfriede Awadalla hielt eine Rede bei der U4-Station Pilgramgasse in Wien.

(APA, red, 23.2.2016)

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