Was sich aus Google-Daten errechnen lässt

28. Februar 2016, 08:26
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Matthias Schmidl arbeitet an Datenauswertung und Visualisierung von Big Data

Big Data, also Massendaten, haben Matthias Schmidl vom Industriewissenschaftlichen Institut (IWI) schon während seines Studiums "brennend interessiert": "Das wird in Zukunft ein Riesenthema." Nach Abschluss einer Informatik-HTL studierte er an der Uni Wien Volkswirtschaftslehre, kam über Wahlfächer zum statistischen Programmieren, "und was in der Statistik gerade entwickelt wird, hat mein Feuer geweckt, deshalb habe ich das auch noch studiert", sagt der 28-Jährige.

Logisch, dass sich auch seine beiden Magisterarbeiten mit Big Data beschäftigen, konkret mit den Daten über Google-Suchanfragen. Diese sind über das Tool "Google-Trends" gratis abrufbar. "Hingegen liegen die Daten der statistischen Ämter meist erst nach einem Monat oder Quartal vor", sagt Schmidl. Mit der Methode des Nowcastings – Forecasting in Echtzeit – auf Basis der Google-Daten könne man diese Lücke teilweise schließen, zeigte er in seinen Masterarbeiten: Wer in die Suche Begriffe wie "Stellenangebote" oder "Arbeitsmarktservice" miteinbezieht, kann die Entwicklung der Arbeitslosigkeit genauer prognostizieren; die Suchdaten nach Wetter oder Hotels machen die Prognose der deutschen und niederländischen Gästeankünfte genauer.

Für seine Statistikabschlussarbeit untersuchte er dies am Beispiel des Versandhandels: "Das war umfangreicher und daher statistisch fordernder." Auch hier schnitten Nowcasting-Modelle besser ab als ein herkömmliches Prognosemodell, wobei mit einer erst kürzlich publizierten Methode, der sogenannten Bayesianischen strukturellen Zeitreihenmodelle, die höchste Genauigkeit erzielt werden konnte.

Die Idee für die Tourismusstudie entstand durch ein Gespräch mit der Österreich Werbung, erzählt Schmidl, der bereits im Vorfeld seiner Masterarbeiten den Kontakt zur Praxis suchte: "Ich wollte kein Papier für die Schublade produzieren." Er schrieb "ins Blaue hinein" etwa zehn Institutionen an, darunter die Österreich Werbung – und seinen jetzigen Arbeitgeber: "Beim IWI hat man sich sehr interessiert gezeigt und mich unterstützt, auch bei der Publikation der Ergebnisse", sagt Schmidl, der von Austrian Cooperative Research (ACR), dem vom Wissenschafts- und Wirtschaftsministerium finanzierten Dachverband der kooperativen Forschungsinstitute, zum Experten für Jänner und Februar gekürt wurde.

Am IWI ist er nun für statistische Berechnungen, Datenauswertung sowie Visualisierung zuständig und in verschiedenen Projekten tätig. Beispielsweise untersuchte Schmidl 2015 gemeinsam mit der KMU Forschung Austria die Technologieflüsse österreichischer kleiner und mittlerer Unternehmen. Dabei zeigte sich: "Vor allem jene Branchen, die über Technologieflüsse eng miteinander verknüpft sind, erzielen hohe Umsätze mit neuen Produkten." Als zentraler Technologiegeber erwies sich der F&E-Sektor, zu dem auch die außeruniversitären Forschungseinrichtungen zählen.

Ein Doktorat plant Schmidl derzeit nicht, "nach meinem Doppelstudium möchte ich jetzt lieber in der Praxis arbeiten", sagt der gebürtige Wiener, der heute mit seiner Partnerin in Eggenburg an der Grenze von Wald- und Weinviertel lebt. Seine Empfehlung an Studierende: "Rausgehen und draufkommen, was in der Praxis gebraucht wird." (Heidemarie Weinhäupl, 28.2.2016)

  • Matthias Schmidl ist Volkswirt und Statistiker am Industriewissenschaftlichen Institut in Wien.
    foto: omninum

    Matthias Schmidl ist Volkswirt und Statistiker am Industriewissenschaftlichen Institut in Wien.

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