Vorurteile verlangsamen bestimmte Gehirnprozesse

25. Februar 2016, 09:52
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Bei positiven Attributen für Rivalen braucht das Hirn länger

Bern – Manchmal verbergen wir unsere Vorurteile und äußern Positives über jemanden, auch wenn wir eine ganz andere Ansicht über ihn vertreten. Wenn das geschieht, werden unsere Denkvorgänge verlangsamt. Loben wir etwa einen sportlichen oder politischen Rivalen, kostet es ein bisschen Überwindung – und entsprechend mehr Zeit. Und das selbst, wenn man sich dieser Vorurteile gar nicht bewusst ist. Das zeigt ein psychologischer Test, bei dem Schweizer Forscher die Reaktionszeiten von Probanden messen, während diese positive Assoziationen zu Kollegen oder zu Konkurrenten ziehen müssen.

Hirnforscher um Daria Knoch von der Universität Bern sind nun dieser Vorurteils-bedingten Verzögerung auf den Grund gegangen, teilte die Hochschule am Montag mit. Dabei stellte sich heraus: Zwar sind die Vorgänge im Gehirn die gleichen, egal ob das positive Attribut mit einem Kollegen oder Rivalen assoziiert wird. Beim Rivalen verweilt das Gehirn jedoch länger in bestimmten Prozessen, schreiben die Forscher im Fachmagazin PNAS.

Die Forschenden maßen die Hirnaktivität mittels Elektroenzephalogramm (EEG) bei 83 Testpersonen, während diese am Computer den Assoziationstest durchführten. Dabei sollten sie per Tastenklick einen positiv belegten Begriff zuordnen: entweder dem Fußballklub beziehungsweise der politischen Partei, zu der sie sich bekennen, oder der Konkurrenz.

Die Daten werteten sie anschließend mittels einer sogenannten Microstate-Analyse aus. Diese bildete alle Hirnprozesse im Verlauf des Experiments zeitlich und räumlich ab, wie Studienautorin Lorena Gianotti erklärte.

Sieben Prozesse

Von der Präsentation des Wortes bis zum Tastenklick liefen sieben Prozesse in weniger als einer Sekunde ab. Anzahl und Reihenfolge blieben dabei exakt gleich, egal ob der Begriff mit dem eigenen Klub bzw. der eigenen Partei oder der Konkurrenz gezogen wurde.

Es wurde also kein weiterer Prozess dazugeschaltet, um die positive Assoziation mit den Rivalen zu ziehen. Stattdessen dauerten dabei einige der sieben Prozesse länger, was zur verzögerten Reaktionszeit im Assoziationstest beitragen könnte. (APA, red, 25.2.2016)

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