Lukas Müller macht deutliche Fortschritte

23. Februar 2016, 13:00
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Verunglückter Skispringer kann nach experimentellem Heilversuch in Druckkammer Zehe bewegen, am Mittwoch beginnt Reha in Tirol

Graz – Lukas Müller wird am Mittwoch, sechs Wochen nach seinem schweren Sturz auf der Skiflugschanze auf dem Kulm, das LKH Graz verlassen und sein Rehaprogramm im Rehabilitationszentrum Bad Häring in Tirol beginnen. Durch einen "experimentellen Heilversuch" mit einer sogenannten hyperbaren Sauerstofftherapie machte Müller deutliche Fortschritte und kann wieder eine Zehe selbst bewegen.

Mit Willenskraft und Training

Zum Pressegespräch am Dienstag am Universitätsklinikum rollte der Kärntner mit dem Rollstuhl vor und berichtete von der bisherigen Therapie in der Druckkammer: Der Trainingseffekt sei dabei besonders wertvoll, von Tag zu Tag schaffe er mehr. Mittlerweile kann er sich selbst aufsetzen und in den Rollstuhl hieven. Schon nach drei Wochen habe er die Muskeln in einer seiner Zehen wider gespürt und es mit Willenskraft und Training geschafft, sie leicht zu bewegen.

Wieder von einer Schanze zu springen sei momentan noch utopisch, aber: "Wenn ich je wieder die Möglichkeit hätte zu springen, würde ich es machen." In erster Linie wolle er wieder auf die Beine kommen. Er sei nun sechs Wochen nach dem Sturz noch zuversichtlicher als nach der OP und freue sich auf die Reha, weil da die Therapien noch mehr werden. Einzig seine Krämpfe, die ihn jeden Tag plagen, würden ihn etwas hemmen. Das LKH Graz werde er mit einem weinenden Auge verlassen, weil er die Leute liebgewonnen habe: "Ich bin gerne da, auch wenn der Grund nicht schön ist. Die Schwestern hier sind zu Freundinnen geworden."

"Ich schlug auf und wusste sofort, die Füße sind weg"

Von seinem Sturz weiß Müller noch alles: "Ich schlug auf und wusste sofort, die Füße sind weg." Er sei nicht bewusstlos gewesen, auch wenn es so aussah, anders als bei früheren Stürzen blieb ihm auch nicht die Luft weg: "Da wusste ich, dass die Kraft des Aufschlags woanders hin ist, nämlich in die Wirbelsäule." Seine Schuhe seien für eine Flugschanze zu locker gebunden gewesen. Von der Skiflug-WM habe er nach dem Sturz nur wenig wahrgenommen, weil er von den Medikamenten benebelt war.

Beim Einzelspringen am Samstag habe er aber sehr wohl gemerkt, wie viele Menschen an ihn dachten: "Ich hatte das Gefühl, ich bin nicht allein." Vor allem die Genesungswünsche von Stefan Kraft, die er über das Fernsehen mitgeteilt bekam, hätten ihn berührt. Vor den österreichischen Springern, die im Teambewerb Bronze holten, ziehe er den Hut: "Das sind schon coole Hund'."

"Ein toller Partner als Patient"

Müllers Fortschritte in der Therapie erklärten die Ärzte mit mehreren Faktoren, die zusammenspielten: perfekte Erstversorgung, schnelle Operation und rascher Beginn der HBO-Therapie. Außerdem sei Müller ein "toller Partner als Patient" gewesen, meinte Gernot Brunner, ärztlicher Direktor des LKH Graz. Schon in der ersten Nacht nach der Operation begann die Sauerstofftherapie in der Druckkammer. Dabei atme der Patient unter Überdruck reinen Sauerstoff ein, schilderte Medizinerin Freyja Smolle-Jüttner. Der Sauerstoff wirke in so hoher Konzentration wie ein Medikament im Körper, lindere Verletzungsfolgen und beschleunige die Regeneration.

"Der Verlauf ist sehr zufriedenstellend", sagte Smolle-Jüttner. Da es sich aber um ein experimentelles Verfahren handelt, das österreichweit nur am Klinikum Graz möglich ist, müsste vor Behandlungen bei anderen Patienten erst eine klinische Studie erstellt werden: "Das Verfahren ist noch nicht beim Menschen erforscht. Es freut uns, dass es bei Lukas so gut hingehauen hat, aber wir wissen nicht, ob es das auch weiterhin hätte." (APA, 23.2.2016)

  • Im LKH Graz ist Lukas Müller gut aufgehoben: "Ich bin gerne da, auch wenn der Grund nicht schön ist."
    foto: apa/scheriau

    Im LKH Graz ist Lukas Müller gut aufgehoben: "Ich bin gerne da, auch wenn der Grund nicht schön ist."

  • An seinen Sturz kann sich Müller gut erinnern: "Ich schlug auf und wusste sofort, die Füße sind weg."
    foto: apa/scheriau

    An seinen Sturz kann sich Müller gut erinnern: "Ich schlug auf und wusste sofort, die Füße sind weg."

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