Führungskräfte leben im ständigen Risiko, geklagt zu werden

23. Februar 2016, 14:13
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Auch Manager kleiner Unternehmen und Obmänner von Klubs haften im Schadensfall

Wien – Egal ob Vorstand einer Aktiengesellschaft oder Privatstiftung, Geschäftsführer einer kleineren Familien-GmbH, Mitglied des Aufsichtsrats, Prokurist oder Filialleiter: Jede Führungskraft habe eine umfassende persönliche Haftung, sagt Georg Aichinger, Geschäftsführer der Koban Soldora Group Austria, zum STANDARD.

Mit einer speziellen Manager-Haftpflichtversicherung bleibe zwar die gesetzliche Haftung bestehen, allerdings könnten die Kosten eventueller Klagen versichert werden, so der Jurist. Aichinger hat sich als Makler auf Manager-Haftpflichtversicherungen spezialisiert. Seine Erfahrung: Heutzutage "klagt jeder jeden", und gerade die Führungskräfte, ob in großen oder kleineren Unternehmen, haften auch dann noch, wenn diese längst ausgeschieden sind.

Beispiele für Klagen

Aichinger kann zahlreiche Beispiele bringen, wo Manager geklagt wurden: Da wäre ein Geschäftsführer, der Honorarnoten ausgestellt hatte, längst aus dem Unternehmen ausgeschieden war, aber nicht geschaut hatte, ob das Geld auch eingegangen war. Die Eigentümer machten die Forderung selbst nach Abberufung des Managers, obwohl diese verjährt war, beim Geschäftsführer in Form von Schadenersatz geltend. Ein anderer Manager wurde geklagt, weil er staatliche Förderungen nicht beantragt hatte.

Wann immer es Unternehmen schlecht gehe, "wird nach einem Schuldigen gesucht", sagt Aichinger. Und oft ist das der Geschäftsführer. Dieser haftet auch der Finanz gegenüber. Der Geschäftsführer hat nämlich auch die abgabenrechtliche Verantwortung. Das sei der klassische Fall: Der Manager bekommt vom Magistrat ein Schreiben, das ihm nach der Bundesabgabenordnung als verantwortlichen Vertreter auffordert, ausständige Kommunalsteuern und Dienstgeberabgaben zu entrichten, die beim insolventen Unternehmen nicht mehr eingehoben werden können.

Als Geschäftsführer müsse man heute irgendwann damit rechnen, verfolgt zu werden. "Man ist heute als Führungskraft nicht mehr davor gefeit, geklagt zu werden", sagt Aichinger. "Ob berechtigt oder nicht, stellt sich oft erst Jahre später heraus – alleine die anwaltliche Vertretung löst hohe Kosten aus." Die D&O Versicherung übernehme die Kosten, egal ob der Betroffene haftet oder nicht. Ausgeschlossen vom Deckungsschutz ist nur eine wissentliche Pflichtverletzung, also Vorsatz.

Amerikanischer Trend

Die Versicherung für Unternehmensorgane sei leistbar geworden und beginne bei 700 bis 800 Euro pro Jahr. Heutzutage schrecke niemand mehr davor zurück zu klagen, und dieser amerikanische Trend komme verstärkt auch nach Österreich. Immer mehr Organe fordern in ihrem Vertrag daher vom Arbeitgeber den Abschluss einer solchen Versicherung. Das gelte auch für bestellte Sanierungsmanager.

Aichinger gibt weitere Beispiele: Der Obmann eines Golfvereins hatte es verabsäumt, den günstigen Pachtzins zu verlängern. Der Vertrag konnte nur zu bedeutend höheren Kosten verlängert werden – und schon wurde der Obmann geklagt. Ein Prokurist hatte günstige Büromöbel besorgt, der Brandschutzbeauftragte sagte, dass diese nicht den Bestimmungen entsprächen. Der Manager musste 100.000 Euro für die Entsorgung der Büromöbel zahlen. (Claudia Ruff, 23.2.2016)

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