Der Hausmantel

Einserkastl22. Februar 2016, 18:01
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Der "Glanz des Kaiserhauses" ist unzerstörbar

Wenn man ein vollausgebildetes Fallbeispiel für eine komplett dysfunktionale Ehe mit tragischen Zügen in höheren Kreisen sucht, kann man mit Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Sisi einen ganzen Workshop bestreiten.

Macht aber nichts, der "Glanz des Kaiserhauses" ist unzerstörbar. Dem konnte sich nun auch das Land Niederösterreich nicht entziehen. Für wohlfeile 2,6 Millionen Euro erwarb man die "Habsburger-Sammlung" des bekannten Tafelspitzkönigs Mario Plachutta (gekochtes Rindfleisch war auch die Leibspeise des Kaisers).

Im "Haus der Geschichte" im Landesmuseum, das in Konkurrenz zum Wiener Haus der Geschichte steht, wird man u. a. nun den Hausmantel von Franz Joseph I. und sein Feldschreibzeug bewundern können. Dazu eine Rose vom Sterbebett der Kaiserin oder eine Haarlocke vom Kaiser. "Ein Stück über das private Familienleben der kaiserlichen Familie zu erfahren, das ist das Bedeutende an dieser Kaiserhaussammlung", sagt der Kurator dazu.

Ob man aus dem Hausmantel noch größere Schlüsse ziehen können wird? Das "Familienleben" von Franz und Sisi ist vor allem von Brigitte Hamann in seiner ganzen Melancholie weitestgehend aufgearbeitet. Aber warum soll man zum hundertsten Todestag des Kaisers nicht auch in St. Pölten seine Haarlocken bestaunen? Es ist ihm ja bekanntlich schon zu Lebzeiten nichts erspart geblieben. (Hans Rauscher, 22.2.2016)

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