Pro oder Kontra: Mit Technologie und Apps gegen Krankheiten

Umfrage24. Februar 2016, 05:30
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Gesundheitsapps und andere digitale Präventionshilfen sind vielversprechend, bergen jedoch Risiken. Wie schätzen Sie die Vor- und Nachteile ein?

Brüssel/Wien – Mehr als 2.000 Gesundheitsapps sind derzeit am Markt und sollen ihren Nutzern im einfachsten Fall helfen, Fitnessübungen durchzuführen, sich gesund zu ernähren und das Ganze zu dokumentieren. Aber auch Krankheiten können mit ihrer Unterstützung bekämpft werden, etwa durch Tablettenkalender, Tipps zum Umgang mit Symptomen oder durch die Vernetzung mit Leidensgenossen.

Die Branche wächst, besonders durch Start-up-Unternehmen: Mehr als 200 Start-ups sind im Gesundheitssektor aktiv. Großkonzerne wie Bayer zeigen sich interessiert und ziehen Kooperationen in Betracht, die den Vorteil haben, dass das Investitionsrisiko immer noch bei einem anderen Unternehmen liegt. Andere sind von einzelnen Projekten schon so überzeugt, dass sie aufgekauft wurden – so geschehen mit dem oberösterreichischen Start-up Runtastic, das für die GPS-Dokumentation von Laufrouten mitsamt Geschwindigkeits- und Kalorienberechnung bekannt ist. Der Anbieter mit 70 Millionen registrierten Nutzern wurde im vergangenen Jahr für sehr viel Geld an Adidas verkauft.

Kostenübernahme für Diabetiker

In Europa wird relativ wenig in Gesundheitsapps und ihre Nutzung investiert, im Gegensatz zu den USA. Das liegt unter anderem an Krankenkassen, die erst schrittweise dazu bereit sind, Kosten zu übernehmen. Bisher gebe es laut dem deutschen Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen noch zu wenige Daten, die den Nutzen von Apps bei Vorbeugung und Behandlung von Krankheiten belegen.

Positivbeispiele gibt es aber: Das in Wien gegründete Unternehmen Mysugr entwickelte eine Tagebuchapp für Diabetiker, die mittlerweile mehr als 250.000 Nutzer in Europa und den USA hat. Unter anderem, weil die österreichische Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft Kosten für ihre Mitglieder übernimmt.

Design und Datenschutz

Die App wird als optisch ansprechend und einfach zu bedienen wahrgenommen, was die Nutzerprioritäten veranschaulicht: Auch wenn es manche lieber puristisch als verspielt mögen, darf am Design nicht gespart werden, wenn Betroffene erreicht werden sollen. Immerhin nutzen 75 Prozent der Befragten Gesundheitsapps nur ein- bis zehnmal, da sie nicht benutzerfreundlich genug sind oder eine bessere App gefunden wurde, schreibt das deutsche "Ärzteblatt". An rückläufiger Nutzung könnte allerdings auch fehlende Langzeitmotivation schuld sein – ein weiteres Kriterium, das in der Gestaltung berücksichtigt werden sollte.

Kritisch sehen viele potenzielle Nutzer den Datenschutz bei elektronischen Anwendungen. Eine US-amerikanische Studie zeigte, dass Nutzer von Apps und Wearables grundsätzlich bereit seien, ihre Daten anonymisiert zur Verfügung zu stellen, sofern die Gesellschaft davon profitiert. Doch ob die personenbezogenen Daten tatsächlich nicht rückverfolgt werden können, ist je nach Anbieter und Sicherheitsbemühungen fraglich.

Umfrage in Europa

Wie europäische Nutzer die Lage beurteilen, soll im zweiten Teil der EU-Befragung zu chronischen Krankheiten erhoben werden. Dabei geht es um den Nutzen von Technologien und Innovationen im Umgang mit Krankheiten. Die Umfrage findet wiederum auf der Plattform Reisearch, einer europäischen Non-Profit-Initiative und in Zusammenarbeit mit dem STANDARD statt. Die Ergebnisse der Erhebungen werden anonymisiert ausgewertet, Ende April dem Europäischen Parlament und der EU-Kommission vorgestellt und auch im STANDARD veröffentlicht. (red, 24.2.2016)

  • Gesundheitsapps boomen: Als Problem sehen Nutzer zunehmend den mangelnden Datenschutz einzelner Anbieter.
    foto: reuters/rick wilking

    Gesundheitsapps boomen: Als Problem sehen Nutzer zunehmend den mangelnden Datenschutz einzelner Anbieter.

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