Mazedonien wird zum Nadelöhr auf der Balkanroute

22. Februar 2016, 17:17
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Tausende Afghanen sitzen in Griechenland und in Mazedonien fest – Noch engere Kooperation der Staaten

Ljubljana/Zagreb/Skopje – Nach der Einführung von neuen Filtern, die die Einreise nach Mazedonien für Flüchtlinge erschweren, wird der Balkanstaat immer mehr zum Nadelöhr. Weil angeblich Serbien angekündigt hatte, keine Afghanen mehr durchzulassen, stoppte Mazedonien deren Einreise. Einige Tausend sitzen seitdem im griechischen Hafen Piräus, im griechischen Grenzort Idomeni und in Mazedonien in Tabanovtse, an der Grenze zu Serbien fest.

Auch die Registrierungen sind komplizierter geworden – man braucht jetzt Passfotos. Griechenland kündigte indes an, auf diplomatischen Weg Mazedonien davon überzeugen zu wollen, afghanische Flüchtlinge doch durchzulassen. Die Regierung in Skopje argumentiert hingegen, es handle sich um Afghanen, die zuvor in Griechenland gelebt hätten. Tatsächlich kommen viele Afghanen aus dem Iran in die EU. Damit es nicht zu einem massiven Rückstau kommt, sollen in Zukunft in Griechenland und in Mazedonien mehr Camps für Flüchtlinge errichtet werden, die nicht weiterreisen können. Bereits jetzt können auf der Balkanroute tausende Flüchtlinge in Aufnahmezentren untergebracht werden, die bisher dafür nicht genutzt wurden. Solche Zentren gibt es bei der serbischen Grenzstadt Sid und im kroatischen Slavonski Brod.

Balkanrouten-Gipfel in Wien

Im Vorfeld des Balkanrouten-Gipfels in Wien am Mittwoch stimmten sich die Innenminister Sloweniens und Kroatiens bereits am Montag bei einem Treffen noch besser ab. Nach Wien eingeladen wurden die Innen- und Außenminister von Albanien, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Kosovo, Kroatien, Mazedonien, Montenegro, Serbien und Slowenien. Es geht darum zu verhindern, dass es zu Konflikten zwischen den Staaten kommt, wenn etwa Migranten abgewiesen werden und in das südliche Nachbarland zurückgeschoben werden. Jeder Schritt ist unter den Staaten auf der Balkanroute bereits seit Wochen abgestimmt.

Allerdings wird die Situation von Tag zu Tag heikler. Wenn in den vergangenen drei Monaten die Reise der Flüchtlinge von einem zum nächsten Staat problemlos vor sich ging, so ist nun zu sehen, dass die Migranten zusehends die Sorge haben, nicht mehr bis nach Deutschland zu kommen. Bei Sid warteten am Sonntag 120 Personen nicht auf die Busse, sondern gingen einfach auf der Landstraße Richtung Kroatien. Die Polizei brachte sie in das Lager zurück. Offensichtlich versuchen viele auch, über die ungarische Route auszuweichen. 501 Migranten wurden dort am Wochenende aufgegriffen. (awö, 22.2.2016)

  • Doppelter Zaun in Idomeni: 5000 Afghanen sind gestrandet.
    foto: apa/afp/sakis mitrolidis

    Doppelter Zaun in Idomeni: 5000 Afghanen sind gestrandet.

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