Strategie gegen die Zuckerbomben

22. Februar 2016, 14:54
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Wasser statt Wasser mit Zucker wäre eine effiziente Methode der Diabetesvorbeugung, sagt Stoffwechselexperte Hermann Toplak und wünscht sich Anreizsystem

"Wasser gegen Zucker statt Wasser mit Zucker", ist laut der Österreichischen Diabetes-Gesellschaft (ÖDG) die Devise, um der Entstehung von Übergewicht und Diabetes effizient vorzubeugen. Gezuckerte Softdrinks sind den Medizinern ein besonderer Dorn im Auge. Sie wünschen sich mehr Bewusstsein bei Konsumenten und vom Gesetzgeber Anreize, die den Konsum von flüssigen "Zuckerbomben" verringern.

Zahlreiche Studien würden belegen, dass der bewusste Konsum von Flüssigkeit zur Vermeidung von Übergewicht beitragen kann. "Das gilt aber nur für Leitungswasser, Mineralwässer und ungesüßte Tees", betonte der Präsident der Österreichischen Diabetes-Gesellschaft, Hermann Toplak.

Die Wahl des falschen Getränkes gegen den Durst könne das Risiko von Übergewicht sogar erhöhen und eine Diabeteserkrankung begünstigen, warnte der Stoffwechselexperte an der Ambulanz für Lipidstoffwechsel der Uniklinik für Innere Medizin der Med-Uni Graz. "Im Typenschein des Menschen steht Wasser, getankt wird im übersetzten Sinne aber meistens Kerosin", so der ÖDG-Präsident.

Totale Kalorienüberdosis

Wie in den vergangenen Jahren eingehend belegt worden sei, gebe es einen starken Zusammenhang zwischen dem Konsum von sogenannten Softdrinks und der Entstehung von Übergewicht und dessen Folgeerkrankungen wie Fettsucht und Typ-2-Diabetes. "Ein Liter eines Softdrinks hat rund 500 Kalorien, da hat man schon fast eine Leberkäse-Semmel 'getrunken' ohne satt zu sein. Die Softdrinks sind gar nicht so soft, wenn es um unsere Gesundheit geht, sondern höchst gefährlich", ergänzte Helmuth Brath von der Diabetesambulanz des GZ Süd der Wiener Gebietskrankenkasse.

Die Österreichische Diabetes-Gesellschaft forderte daher eine gesellschaftspolitische Diskussion: "Der Gesetzgeber kann Anreize bieten, um den Konsum von Softdrinks zu verringern. Zum Beispiel wird in Mexiko auf Süßgetränke eine Steuer eingehoben", betonte Toplak. Ähnliche Ansätze seien auch in Ungarn erfolgreich gewesen. In Österreich müsse es nicht gleich eine Steuer sein, doch "verpflichtende und sichtbare Warnhinweise sind eine weitere Option, um das Thema bewusst zu machen", so der Grazer Mediziner.

Grundsätzlich wünsche er sich, dass die verschiedenen erprobten Modelle nach ihrer Tauglichkeit für Österreich untersucht werden. "In Österreich wird dazu einfach nicht systematisch geforscht. Man kann aber die Ergebnisse von Interventionen in Ungarn, Mexiko oder Großbritannien nicht eins zu eins für Österreich übernehmen. Hier spielen viele lokalregionale Faktoren des Ernährungs- und Bewegungsverhaltens eine Rolle", betonte Toplak.

Zuckerwasser fördert Insulinresistenz

Generell wird empfohlen, dass Erwachsene eine Mindestmenge von eineinhalb Litern Wasser über Flüssigkeiten pro Tag zu sich nehmen sollten. Mit Zucker gesüßte Getränke würden durch ihre Wirkung auf den Blutzuckerspiegel und ihrem gleichzeitig geringen Sättigungspotenzial nicht nur zu Übergewicht, sondern auch der Insulinresistenz (als Vorstufe zum Typ-2-Diabetes) beitragen.

Ein Teil des Flüssigkeitsbedarfs könne durchaus auch durch Light-Getränke abgedeckt werden, da auch sie beim Kaloriensparen helfen können: "Hierbei ist aber zu bedenken, dass die Geschmackswahrnehmung dadurch immer mehr auf Süßes konditioniert wird", gab Toplak zu bedenken. (APA, 22.2.2016)

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