Fachhochschulen wollen Uni-Studien nicht eins zu eins übernehmen

22. Februar 2016, 12:33
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Der Präsident der Fachhochschulkonferenz will seinen Hochschulsektor nicht zum "Bauchladen für Studiengänge" machen

Wien – Die Fachhochschulen (Fachhochschulen) wollen im Zuge des von Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) angestrebten Fächerabgleichs Studien von den Unis nicht eins zu eins übernehmen. "Wir wollen keinen Bauchladen für Studiengänge", so der Präsident der Fachhochschulkonferenz, Helmut Holzinger, bei einer Pressekonferenz am Montag.

"Wir haben ein klares Profil", betonte Holzinger: "Das ist ein Studium auf Hochschulniveau mit Berufsfeldbezug. Wir werden daher den Berufsfeldbezug herstellen." Auf die Nennung von konkreten Studien, die an die Fachhochschulen übersiedeln könnten, wollte sich Holzinger aber nicht einlassen: "Sonst kommen wir in der Diskussion nicht weiter." Klar sei aber, dass dafür ein massiver Ausbau der Fachhochschulen nötig sei: "Wir brauchen Ressourcen und Infrastruktur, um diese Fächer zu übernehmen."

Für Doktorat an Fachhochschule

Durch die von Mitterlehner angestrebte Profilschärfung der einzelnen Hochschulsektoren nicht abbringen lässt sich die Fachhochschul-Konferenz von ihrer Forderung nach der Etablierung von Doktoratsstudien. Derzeit würden die Unis hier stark auf Exklusivität pochen. "Wenn man aber diverse EU-Dokumente analysiert, spricht die EU dort sehr stark von industrienahen Doktoraten. Dazu können die Fachhochschulen mit ihrem Fokus auf angewandte Forschung einen Beitrag leisten." Am Beispiel der Privatunis könne man sehen, wie extern akkreditierte Doktoratsprogramme funktionieren könnten, meinte Holzinger: "Wir fordern aber kein Promotionsrecht für jede Fachhochschulen."

Das Fachhochschulen-Qualitätssicherungssystem mit externen und internen Komponenten soll nach Ansicht der Fachhochschulen auf alle Hochschulen übertragen werden. In Deutschland müssten seit der Umstellung auf das Bachelor/Master-System alle Hochschulen akkreditiert werden – entweder über eine Programm- oder eine Systemakkreditierung. Auch in der Schweiz sei eine institutionelle Akkreditierung Pflicht, wenn man sich Fachhochschule, Pädagogische Hochschule oder Universität nennen wolle.

Leichtere Anerkennung statt "Erbsenzählen"

Von den Unis forderte Holzinger Entgegenkommen bei der Anerkennung von Studienleistungen an Fachhochschulen: "Bei den Verfahren wird manchmal hochschulisches Erbsenzählen in den Mittelpunkt gestellt und nicht so sehr die Kompetenz der Studierenden." Außerdem verlangte er ein jährliches Benchmarking zwischen Unis und Fachhochschulen: "Damit die Beurteilung der Hochschulen nicht anhand der Türschilder geschieht." Schon jetzt scheue man hier keinen Vergleich: Ein Fachhochschulen-Absolvent koste den Bund knapp 20.000 Euro, ein Uni-Absolvent rund 85.000 Euro – und obwohl die Fachhochschulen heute etwa 15 Prozent der Hochschulstudenten stellen, erhalten sie nur ca. acht Prozent des Hochschulbudgets.

Kein Thema ist für Holzinger eine Konzentration der Fachhochschulen auf die Lehre bei gleichzeitigem Wegfall der Forschung. "Das Thema Forschung ist an einer Hochschule nicht wegzudenken. Die Fachhochschulen wären keine Hochschule, wenn es keine anwendungsbezogene und transferorientierte Forschung gäbe."

Unis freuen sich auf Benchmarking

Die Universitäten freuen sich schon auf das von der Fachhochschulkonferenz geforderte Benchmarking zwischen den beiden Hochschulsektoren. Bei der Aufrechnung von Bundesmitteln für Uni- und Fachhochschulabsolventen würden dann nämlich die unterschiedlichen Rahmenbedingungen sichtbar, so die Präsidentin der Universitätenkonferenz (uniko), Sonja Hammerschmid, in einer Aussendung.

Als Beispiel nannte Hammerschmid die Regelungen bezüglich Universitätszugang, Studiengebühren und Forschungsausgaben, die in den Berechnungen der Fachhochschulkonferenz über die Bundesmittel genauso wenig berücksichtigt würden wie die Finanzierung der Fachhochschulen durch andere Gebietskörperschaften. Im Übrigen seien die Zahlen der Fachhochschulkonferenz auch nicht nachvollziehbar. Die Forderung nach einer Übertragung des FH-Qualitätssicherungssystems auf die Unis hält Hammerschmid für "müßig": Die Auditierung des gesamten universitäre Sektors sei ohnehin schon vorgesehen und werde auch längst praktiziert.

ÖH: "Seichte Schlagwörter"

Die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) bemängelte das Fehlen eines konkreten Konzepts zur Umstrukturierung des Hochschulsektors. Die Fachhochschulkonferenz versuche stattdessen, "mit seichten Schlagwörtern zu beeindrucken", so die stellvertretende ÖH-Vorsitzende Lucia Grabetz (Verband Sozialistischer StudentInnen/VSStÖ) in einer Aussendung. Unter anderem forderte sie ein einheitliches Studienrecht für alle Hochschulsektoren. (APA, 22.2.2016)

  • Die Fachhochschulen wollen den Berufsfeldbezug bei Studiengängen herstellen.
    foto: apa/fohringer

    Die Fachhochschulen wollen den Berufsfeldbezug bei Studiengängen herstellen.

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