Philippinen: Proteste gegen Sohn von Exdiktator Marcos

22. Februar 2016, 10:17
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Hunderte Folteropfer begehren gegen die Kandidatur von Ferdinand Marcos jr. auf

Manila – 30 Jahre nach dem Sturz des philippinischen Diktators Ferdinand Marcos kämpfen Folteropfer gegen die Kandidatur seines Sohnes für das Vizepräsidentenamt. In der Hauptstadt Manila gingen am Montag hunderte Menschen, die während der Marcos-Herrschaft gefoltert und inhaftiert worden waren, gegen Ferdinand "Bongbong" Marcos jr. auf die Straße.

In Sprechchören riefen sie Parolen wie "Keine Marcos' mehr! Marcos Diktator!". Der 58-jährige Marcos jr., der seit 2010 im Senat sitzt, kandidiert bei der Parlaments- und Präsidentenwahl im Mai für das Amt des Vizepräsidenten und liegt in Umfragen in Führung. Er bestreitet, dass seine Familie staatliche Gelder veruntreut hat, und behauptet, dass die Herrschaft seine Vaters dem Land Frieden und Fortschritt gebracht habe.

Eine Aktivistengruppe, die die Rückkehr der Marcos-Familie in die Politik verhindern will, betont jedoch, dass Marcos jr. kein "unschuldiger Sohn" sei. "Er wird die Familie rehabilitieren, die Geschichte umschreiben und den missbräuchlichen Regierungsstil seines Vaters zurückbringen", sagte das Folteropfer Bonifacio Ilagan. Die Aktivisten kündigten an, Marcos' Wahlkampf zu stören.

20 Jahre Schreckensherrschaft

Ferdinand Marcos regierte die Philippinen von 1966 bis zu seinem Sturz durch einen Volksaufstand im Februar 1986. Er starb drei Jahre später im US-Exil. Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen wurden während seiner Herrschaft zehntausende Menschen ermordet, gefoltert und inhaftiert. Laut Schätzungen der Regierung haben Marcos und seine Familie umgerechnet rund neun Milliarden Euro veruntreut und ins Ausland geschafft.

Vor allem Marcos' Frau Imelda war für ihren luxuriösen Lebensstil bekannt, der sich unter anderem in ihrer riesigen Schuhsammlung zeigte. Nach ihrer Flucht in die USA wurden in den Räumen der First Lady im Präsidentenpalast etwa 3.000 Paar Schuhe entdeckt. Imelda Marcos kehrte 1991 in ihr Heimatland zurück, mehrere Familienmitglieder haben inzwischen wieder politische Ämter inne. (APA, 22.2.2016)

  • Hunderte Philippiner protestieren gegen die Kandidatur des Sohns von Exdiktator Ferdinand Marcos.
    foto: afp photo/noel celis

    Hunderte Philippiner protestieren gegen die Kandidatur des Sohns von Exdiktator Ferdinand Marcos.

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