FBI-Chef zu Apple: "Wollen nur das Passwort knacken"

22. Februar 2016, 09:40
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James Comey meldet sich in der aufgeheizten Debatte über das iPhone eines Terroristen zu Wort

Der Streit um den Zugriff auf geschützte Daten eines Terroristen geht weiter: Wie berichtet hatte ein US-Gericht Apple verpflichtet, den Behörden Zugriff auf das iPhone jenes Attentäters zu gewähren, der vergangenen September mit seiner Ehefrau vierzehn Personen erschossen hatte. Apple hielt entgegen, dass das Unternehmen derzeit keinen Zugang zu diesen Daten habe und die Entwicklung spezieller Tools die Sicherheit der Geräte massiv gefährde. Prompt folgten hitzige Debatten, die ein neues Kapitel im sogenannten "Krypto-Krieg" zwischen Sicherheitsbehörden und IT-Konzernen darstellen.

Kampf um Hintertüren

Führende Vertreter von Polizei- und Verfassungsschutzbehörden hatten bereits nach den Anschlägen auf "Charlie Hebdo" in Paris vor über einem Jahr gefordert, dass IT-Konzerne sogenannte "Hintertüren" in Verschlüsselung bereitstellen müssen. Dieser Plan war auf heftige Gegenwehr gestoßen.

Aus der Sicht des FBI-Chefs James Comey geht es im aktuellen Fall aber gar nicht um die prinzipielle Aushebelung von Verschlüsselung. "Wir wollen keine Verschlüsselung aufheben oder einen Hauptschlüssel von Apple erlangen", schreibt er in einem Blogbeitrag. "wir wollen nur die Chance kriegen, das Passwort zu erraten, ohne dass sich das Gerät selbst zerstört oder wir eine Dekade dafür brauchen."

Verhärtete Fronten

Weiters gibt Comey an, dass die Causa prinzipiell weder von Apple noch vom FBI, sondern von der US-amerikanischen Politik entschieden werden solle. "Wir sollten einen Platz finden, an dem wir die richtige Balance wahren", schreibt Comey. Strafbehörden argumentieren schon länger, dass sie beispielsweise auch die Wohnungen von Verdächtigen durchsuchen können – und Schlosser keine unknackbaren Schlösser herstellen können.

Durch die Massenüberwachung unverdächtiger Bürger durch NSA, FBI und Co verlor ein beträchtlicher Teil der Öffentlichkeit – und vor allem das Silicon Valley – allerdings das Vertrauen in Geheimdienste und Sicherheitsbehörden, sodass sie eine unknackbare Verschlüsselung als letzte Chance auf Privatsphäre ansehen. (red, 22.2.2016) tub

  • FBI-Chef James Comey bei einer Anhörung
    foto: reuters/roberts

    FBI-Chef James Comey bei einer Anhörung

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