Flüchtlinge: Tirol-Wahlen als Test für Stimmungslage

22. Februar 2016, 08:53
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Am Sonntag wählen die Tiroler Gemeinden ihre Bürgermeister. Kufstein dürfte im Fokus stehen, seit November gibt es dort ein Transitcamp für Flüchtlinge

Innsbruck – Wenn am kommenden Sonntag 277 der 279 Tiroler Gemeinden ihre Gemeinderäte und Bürgermeister neu wählen, dann wird das auch landes- und bundespolitisches Interesse wecken. Ein Gradmesser für die derzeitige Stimmungslage kann etwa die Festungsstadt Kufstein mit rund 18.700 Einwohnern und mehr als 14.000 Wahlberechtigten sein. Aber auch andere Bezirkshauptstädte bieten zum Teil spannende Ausgangslagen.

Kufstein, Tirols zweitgrößte Stadt, wird nicht zuletzt deswegen im Fokus stehen, weil sie seit November ein Transitcamp für nach Deutschland weiterreisende Flüchtlinge beherbergt. Laut Polizei passierten seitdem 73.000 Asylsuchende dort die Grenze, registriert wurden insgesamt 75.000. Offen ist, ob und wie sich das auf die Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen auswirken wird. Auf jeden Fall sieht sich Amtsinhaber Martin Krumschnabel (Die Parteifreien), der 2010 der ÖVP den Bürgermeistersessel weggeschnappt hat, mit insgesamt fünf Gegenkandidaten konfrontiert. Darunter FPÖ-Vizebürgermeister Walter Thaler und Ex-ÖVP-Generalsekretär Johannes Rauch. In der Festungsstadt rittern insgesamt acht Listen um die Gunst der Wähler.

SPÖ will Lienz behalten

In der Osttiroler Bezirksstadt Lienz wird sich Elisabeth Blanik (SPÖ) als Bürgermeisterin der Wiederwahl stellen. Ihr stehen drei Kandidaten gegenüber, darunter Vizebürgermeister Meinhard Pargger (ÖVP) und Josef Blasisker (FPÖ). Blanik hatte sich 2010 bei der Wiederholung der Bürgermeisterstichwahl gegen den damaligen Amtsinhaber Johannes Hibler (ÖVP) durchgesetzt, nachdem der von der SPÖ angerufene Verfassungsgerichtshof eine Neuwahl angeordnet hatte. Interessant ist auch, ob die Volkspartei ihre Mandatsmehrheit im Gemeinderat halten wird können.

In Reutte kämpft mit Alois Oberer ein weiterer amtierender Bürgermeister einer Bezirkshauptstadt, der nicht der ÖVP zuzurechnen ist, um eine neuerliche Kür. Oberer muss sich dabei gegen zwei Konkurrenten durchsetzen. Die SPÖ kandidiert in Reutte nämlich nur für den Gemeinderat und schickt niemanden ins Rennen um den Ortschef.

Größtes Angebot in Imst

Anders in Imst: Dort, wo mit zehn Listen das größte Angebot Tirols herrscht, will für die SPÖ Doris Reheis in die Fußstapfen ihres Mannes, Gerhard Reheis, treten, der von 2001 bis zu seinem Wechsel in die Landesregierung 2008 als Ortschef der Bezirkshauptstadt fungierte. Das Unterfangen dürfte aber einigermaßen schwierig werden, bewerben sich doch neben Amtsinhaber Stefan Weirather (ÖVP) und Reheis noch vier weitere Kandidaten um den Ortschefsessel.

In den restlichen drei Bezirkshauptstädten stellen sich jeweils amtierende ÖVP-Bürgermeister der Wiederwahl: In Landeck ist das Wolfgang Jörg, der lediglich von SPÖ-Kandidat Manfred Jenewein herausgefordert wird. Jörg hatte sich 2013 nach dem Tod von SPÖ-Langzeitbürgermeister Engelbert Stenico, der bei einer Bergtour tödlich verunglückt war, gegen Jenewein durchgesetzt.

Leistbares Wohnen als Wahlkampfthema

Am anderen Ende Tirols, in Kitzbühel, geht Klaus Winkler für die ÖVP ins Rennen. Neben dem amtierenden Stadtchef steigen Walter Zimmermann (SPÖ), Alexander Gamper (FPÖ) und Thomas Nothegger (Unabhängige KitzbühelerInnen) in den Ring. Am meisten diskutiert wurde im Wahlkampf in der Gamsstadt bis dato das Thema leistbares Wohnen für Einheimische. Seit der Gemeinderatswahl 2010 kann sich Winkler auf eine absolute Mehrheit im Gemeinderat verlassen.

In Schwaz möchte ÖVP-Langzeitbürgermeister (seit 1997) und Exlandeschulratspräsident Hans Lintner im Bürgermeistersessel bleiben. Verhindern wollen das der Grünen-Landtagsvizepräsident Hermann Weratschnig sowie Michael Kirchmair für die SPÖ und Emil Danler für die FPÖ. Auch Lintner darf seit 2010 auf eine absolute Mehrheit im Gemeinderat zählen. (APA, 22.2.2016)

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