Worum geht's im Leben?

Kolumne21. Februar 2016, 17:00
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Um das Älterwerden und vor allem die Kunst, stilvoll älter zu werden. Nur, wie geht das? Mithilfe von Lektüre zum Beispiel

Worum geht’s im Leben? Im Leben geht es natürlich um das Älterwerden. So in etwa könnte ein kleinster gemeinsamer Nenner aller am Leben Beteiligter lauten. Das sehen nicht alle so. Warum nicht? Weil wir Menschen so sind, dass wir die vielen Schwangeren da draußen erst dann sehen, wenn wir selbst schwanger sind. Die vielen Kinderwägen erst dann sehen, wenn wir selbst einen schieben.

Plötzlich bist du alt

Wir werden alle ständig älter. Auch Babys und Leute in den besten Jahren. Das Altwerden wird aber erst ein Thema, wenn man wirklich älter wird. Dann ist das plötzlich wie bei den Schwangeren. Man muss aber selbst nicht schon am Stock gehen oder schlohweißes Haar tragen, der Effekt stellt sich viel früher ein: Es reichen Rückenschmerzen oder erste graue Haare. Plötzlich bist du alt. Und da draußen gibt es nur noch Alte. Das prophezeit uns im Übrigen auch die Demografie.

Nichts mehr hören

Beides hat etwas Tröstendes. Und nicht nur das: Manche Alte da draußen machen einem richtig Mut. Der deutsche Kolumnist Harald Martenstein (Zeit-Magazin) zum Beispiel, mit 62 vor kurzem noch einmal Vater geworden, beschreibt in seiner aktuellen Kolumne die Vorteile der Schwerhörigkeit und beschert uns diese Woche den wunderbaren Satz "Seit ich nichts mehr höre, gelte ich zum ersten Mal als ein Mensch, der gut zuhören kann". Nur ein paar Seiten weiter erzählt der 68-jährige Rocker Iggy Pop, dass er seit dem neuen Jahrtausend "clean" sei, stattdessen Tai-Chi praktiziere. "Das neue Jahrtausend ist mein Jahrtausend", sagt er.

Zeigen, wie es geht

Auch das frühere Fotomodell und die heutige österreichische Fotografinnen-Ikone Elfie Semotan bringt im März eine Autobiografie im Bildband-Format heraus mit Erinnerungen an ein vielschichtiges Leben. Dass sie im Sommer 75 wird, sieht man ihr nicht an. Dass das beim Älterwerden auch keine Kategorie sein muss, beweist die "Godmother of Punk" höchstpersönlich. Denn das Leben hinterlässt jede Menge Spuren und am allerschönsten bei Patti Smith, 69. Sie hat immer gezeigt, wie es geht. Demnächst nachzulesen in einem neuen Buch von ihr.

Dabeisein ist alles

Unglaublich Tröstendes zusammengetragen hat auch die deutsche Journalistin Susanne Mayer, Jahrgang 1958, für ihr Kompendium "Die Kunst, stilvoll älter zu werden". Zwischen zwei lila Buchdeckel sind da kleine Kostbarkeiten zu entdecken, wie etwa jene Zitate alter New Yorker Menschen, die von den New York Times zum Altsein befragt wurden und ein 90-Jähriger zum Beispiel antwortete: "Man reißt sich zusammen, um dabei zu sein." Oder, wie Mayer schreibt, eine Dame von ähnlicher Haltbarkeit, die einfach nur neugierig geblieben ist – auch auf das eigene Ende: "Wird es Krebs sein? Oder wieder mal das Herz? Werde ich einfach umfallen?" – "Gute Frage", würde Harald Martenstein einwerfen. Er hätte kein Wort verstanden, aber gut zugehört.

Lesen geht hoffentlich noch. (Mia Eidlhuber, 21.2.2016)

  • Das Leben hinterlässt jede Menge Spuren, am schönsten bei der Godmother of Punk, Patti Smith.
    apa/epa
    Patti Smith

    Das Leben hinterlässt jede Menge Spuren, am schönsten bei der Godmother of Punk, Patti Smith.

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