Trump gewinnt South Carolina, Clinton Nevada – Bush steigt aus

Analyse21. Februar 2016, 08:21
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Jeb Bush beendet seinen Wahlkampf – Clinton entscheidet Nevada knapp für sich

Es dauerte nicht lange. Schon eine halbe Stunde nach Ende des Wahlgangs wurde Donald Trump zum Gewinner in South Carolina gekürt – einem Bundesstaat, der traditionell von konservativen, evangelikalen Wählern dominiert wird. Trotz lautem, fokussiertem Wahlkampf im Bundesstaat – es kann als Überraschung und nicht zu unterschätzender Erfolg gewertet werden, dass Trump ohne starke Wurzeln in der GOP nach New Hampshire hier ebenfalls mit einem zweistelligen Vorsprung reüssieren konnte. Mit 32,5 Prozent der Stimmen ließ er Ted Cruz sowie Marco Rubio klar hinter sich. Eindeutige Kandidaten, die den unterschiedlichen republikanischen Wählerschichten zugeschrieben werden können: das war einmal. Die GOP ist auf der Suche nach sich selbst, die GOP-Wähler nach ihr.

Auch eine Boykott-Androhung gegen das Unternehmen Apple, das, so Trump, dazu verpflichtet wäre dem FBI bei den Ermittlungen in San Bernardino zur Seite zu stehen, kann den Immobilien-Mogul in dieser Phase des Wahlkampfes nicht mehr schaden. Die Luftbombardements gegen ISIS in Irak und Syrien reichen Trump nicht, er will Terroristen mit in Schweineblut-getauchter Munition exekutieren. Seine täglichen Sager, die in ihrer Absurdität oft nicht mehr zu überbieten sind, sind mittlerweile längst zum "New Normal" für die Wähler geworden.

Rubio knapp vor Cruz

Einer, der neben Trump, als moderat durchging und zu Beginn des Wahlkampfes als großer Hoffnungsträger für die Republikaner eingeschätzt wurde, musste in South Carolina aufgeben: Jeb Bush blieb nach der Primary in New Hampshire in South Carolina ebenfalls hinter den Erwartungen und gab offiziell seinen Rückzug aus dem Wahlkampf bekannt.

Marco Rubio konnte sich die diversen Wahlempfehlungen, darunter von Nikki Haley, der Gouverneurin von South Carolina, nicht zunutze machen und lieferte sich ein Duell mit Ted Cruz, dem eigentlichen Go-To-Kandidaten für konservative Kernwähler, um Platz zwei. Letztendlich lag Rubio (22,5 Prozent) mit nur 0,2 Prozentpunkten vor Cruz (22,3 Prozent). Ein eindeutiger Herausforderer, der Trump seine Favoritenrolle streitig machen könnte, wurde somit auch in diesem Bundesstaat nicht ausfindig gemacht.

Knappes Rennen bei Demokraten

Ungewissheit bestimmte die Stunden vor dem Urnengang der Demokraten: Nevada hätte für Hillary Clinton eine sichere Bank sein müssen. Doch am Ende wurde der Wahlkampf im Wüsten-Bundesstaat für Clinton und ihre Entourage ein Wettlauf gegen die Zeit. Eine Umfrage des TV-Senders Fox nur zwei Tage vor den Vorwahlen sah Konkurrent Bernie Sanders erstmals in Führung.

Mittels aktivem Zutun von Ehemann Bill , einem Meet & Greet mit Britney Spears und einem spätnächtlichem Besuch bei den Servicekräften ihres Hotels wollte Clinton sich bis zuletzt ein Scheitern abwenden – und die Saat ging dann auch auf. 52,7 Prozent in den Parteiversammlungen (Caucuses) entschieden sich letztlich für Clinton in einem knappen Rennen, das so vor einem Jahr niemand erwartet hätte.

Sanders sieht "Momentum"

Sanders war in Nevada erst spät in den Wahlkampf gestartet und machte in den letzten Monaten unaufhaltsam Boden gut. Dementsprechend positiv wurde die knappe Niederlage (47,2 Prozent) bei seinem Team in Nevada aufgenommen. "Wir haben Rückenwind, wir haben Momentum", sagte Sanders nach Bekanntgabe der Ergebnisse.

Clinton wollte hingegen Zweifel an ihrer Kandidatur aus dem Weg zu räumen, indem sie sich gezielt auch an potentielle Sanders-Wähler richtete: "Die Amerikaner haben ein Recht wütend zu sein, aber sie haben auch das Recht auf Lösungen." Ob sie damit dem Sanders-Lager den Fahrtwind aus den Segeln nehmen kann, bleibt bis zum 1. März – dem Super-Tuesday – noch abzuwarten. (Teresa Eder aus Washington, 21.2.2016)

  • Donald Trump hat die Vorwahlen in South Carolina klar für sich entschieden.
    foto: reuters / ernst

    Donald Trump hat die Vorwahlen in South Carolina klar für sich entschieden.

  • Hillary Clinton konnte Bernie Sanders in Nevada nur knapp hinter sich lassen.
    foto: apa / afp / sull

    Hillary Clinton konnte Bernie Sanders in Nevada nur knapp hinter sich lassen.

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