Tödlicher Lawinenabgang: Bergführer freigesprochen

19. Februar 2016, 20:52
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Richter: "Abfahrt war gerade noch im vertretbaren Bereich

Innsbruck – Im Prozess nach einem tödlichen Lawinenabgang ist der angeklagte 33-jährige Bergführer am Freitagabend am Landesgericht Innsbruck freigesprochen worden. "Die Abfahrt war gerade noch im vertretbaren Bereich", meinte Richter Norbert Hofer in seiner Urteilsbegründung. Dem deutschen Bergführer war das Vergehen der fahrlässigen Tötung vorgeworfen worden. Das Urteil war vorerst nicht rechtskräftig.

"Sie haben eine Spur gewählt, die nachvollziehbar und sinnvoll ist", so der Richter. Trotzdem sei der Freispruch im Zweifel erfolgt. Bei dem Lawinenunglück am 19. Jänner 2015 waren zwei Mitglieder einer sechsköpfigen Gruppe aus Deutschland ums Leben gekommen. Die Gruppe war von dem staatlich geprüften Berg- und Skiführer geleitet worden.

Der 33-Jährige hatte die Gruppe zusammen abfahren lassen. Laut einem Sachverständigen hätte das normalerweise in steilen Hängen übliche "Einzelfahren" an diesem Tag jedoch keinen Einfluss gehabt. "Auch eine Einzelperson hätte die Lawine auslösen können", erklärte Gutachter Paul Mair. Eine defensivere Verhaltensweise des Angeklagten wäre zwar wünschenswert gewesen, aber das Befahren der Valluga-Nord an diesem Tag könne man nicht als unverantwortlich bezeichnen.

Rechtsanwalt Andreas Ermacora, Präsident des österreichischen Alpenvereins, übernahm die Verteidigung des 33-Jährigen. "Mein Mandant konnte davon ausgehen, dass die Schneedecke am Unfalltag halten wird, weil er erst drei Tage zuvor die Abfahrt gefahren war und die Hauptgefahr von einem Altschneeproblem ausging", meinte Ermacora in seinem Eröffnungsplädoyer.

Außerdem habe der deutsche Bergführer, der seit einigen Jahren in Tirol lebt, die Standardlinienabfahrt gewählt, so der Rechtsanwalt. Auch, dass die Gruppe zusammen abgefahren war, sei sinnvoll gewesen, weil auf diese Weise die Spur besser gehalten werden könne.

Der Beschuldigte war eine Variante nördlich der Valluga (2.809 Meter, Anm.) in Richtung Zürs gefahren. Als einer der Skifahrer in den Hang einfuhr, löste sich plötzlich die Lawine und riss vier Gruppenmitglieder in die Tiefe. Drei von ihnen wurden von den Schneemassen rund 800 Meter mitgerissen. Zusätzlich zu den beiden Toten waren außerdem ein Schwer- sowie ein Leichtverletzter zu beklagen. (APA, 19.2.2016)

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