Christian Kolonovits: Durch den Notennebel zum Sound

Gespräch19. Februar 2016, 18:14
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Der Arrangeur und Dirigent über "Der Kongress tanzt"

Wien – Pardon. Es wurde die Frage vergessen, wie sich der Arrangeur Christian Kolonovits mit dem Dirigenten Kolonovits versteht. Es muss jedoch gutes Einvernehmen herrschen; auch im Umfeld der Volksopernpremiere von Der Kongress tanzt (Musik von Richard Heymann), einem Stück, das auf dem Ufa-Film von 1931 basiert. Schließlich konnte Arrangeur Kolonovits für den Dirigenten eine Menge Notennebel lichten.

"Ich wollte mich an die Originalarrangements halten und bin zu Heymanns Tochter gereist. Sie hatte allerdings auch nicht mehr als das handgeschriebene Klaviermaterial", so der Allrounder. "Die einstigen Big-Band-Arrangements gab es nicht mehr, also habe ich mir Schellacks angehört und vieles runtergehört – ich wollte verstehen, was den Stil ausmacht."

Der Kongress-Gesang habe "bezogen auf die Wortbehandlung jenen Duktus forciert, den etwa Zarah Leander bis zum Exzess ausgekostet hat. Auch sangen sie damals mit Mikros, das habe ich berücksichtigt." So kristallisierte sich schließlich jener Sound heraus, der gemeinhin auch von den Comedian Harmonists bekannt sein dürfte.

Kolonovits dirigiert mittlerweile längst jedoch nicht nur von ihm geformtes Kollegenmaterial. Auch bei eigenen Werken, etwa der Popoper Antonia und der Reißteufel, hat er Musikverhältnisse organisiert. "Eigentlich ist Dirigieren von Musiktheater am interessantesten. Es sind ganz unterschiedliche Vorstellungen davon, was Tempo und Phrasierung anbelangt, unter einen Hut zu bringen. Sehr spannend."

Der Vielseitige, der über Jahrzehnte hinweg den Austropop produzierte und auch den drei Tenören unter die Arme griff, also Plácido Domingo, Luciano Pavarotti und José Carreras, kam dem Genre auch durch eine Opernbestellung näher. "Domingo ermunterte Carreras, sich eine Oper schreiben zu lassen. Carreras hat mich dann gefragt, und so kam es zu El Juez", die im Juli auch im Theater an der Wien zu hören sein wird.

Zu diesem Komponierzweck hatte sich Kolonovits für Monate nach Venedig zurückgezogen, neben dem Klavier lag mahnend wie ermunternd die Partitur von Puccinis Tosca, Kolonovits schrieb und schrieb, und war dann letztlich froh, nicht auch noch "die Uraufführung in Bilbao dirigieren zu müssen ..."

Die ganze Vielfalt seiner Betätigungsfelder zwischen Pop und Klassik scheint ihm selbstverständlich. "Vielfalt habe ich schon als Kind erlebt. Meine ungarische Mutter hat mir Lieder vorgespielt; mein Vater wollte Opernsänger werden, hat es aber nie geschafft. Er brachte mir aber Noten, also habe ich Puccini-Arien gespielt, Operetten und natürlich Heymann, ohne zu wissen, wer das war. Mit zwölf kam dann der Pop in Form der Beatles – das hat bei mir alles umgeworfen!"

Er lernte "Gitarre, spielte in Bands Schlagzeug und Bass. In den Jahren an der Hochschule habe ich dann aber Mahler- und Strauss-Partituren studiert." Und das hat Handwerk gebracht, welches auch in Zukunft nicht einrosten wird. Kolonovits schreibt für die Volksoper ein neues Stück – Titel: Die fünf Jahreszeiten, was wohl sehr viel mit Antonio Vivaldi zu tun haben wird. (Ljubisa Tosic, 19.2.2016)

  • Dirigiert am Samstag an der Volksoper – Christian Kolonovits.
    foto: skata

    Dirigiert am Samstag an der Volksoper – Christian Kolonovits.

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