Fantastische Widerstandsarchäologie

19. Februar 2016, 18:03
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Ewa Bankowskas neue Soloarbeit mit dem Titel "Exposé Fantastique" im Wiener Wuk

Künstlerinnen und Künstler, die sich der Rolle der Selbstvermarktung verweigern, bleiben meist unter der Aufmerksamkeitsschwelle unseres Kulturzirkus. Das erzeugt Verluste für das Publikum.

Die Wiener Choreografinnen Ewa Bankowska und Elizabeth Ward gehören zu jenen herausragenden Talenten, die kaum Eigenwerbung betreiben. Daher ist das Double Feature mit Stücken der beiden, das Bettina Kogler, Kuratorin der Performanceabteilung im Wuk, noch einmal am Samstag zeigt, ein Glücksfall.

Bankowskas letztes, sensibles Solo Autoimmune war beim vorjährigen Imagetanzfestival im Foyer des Brut-Theaters zu sehen. Die aus Polen stammende Künstlerin ist 2015 auch in dem Duett numbers in piecesm, das sie zusammen mit Andrea Maurer geschaffen hat, beim Salzburger Festival Performing New Europe aufgetreten.

Ihre neue Soloarbeit mit dem Titel Exposé Fantastique dient weniger als Verweis auf die Anfälligkeit des Körpers und deren metaphorische Bezüge zur Verletzlichkeit des sozialen Wesens Mensch, sondern als Lob des Absurden. Da ist Konfusion das höchste Glück, der Witz das Gebet der Stunde, und das Surreale liefert die letzte verlässliche Logik. Elizabeth Ward behauptet in einem Live-Techno-Set von AC/Boy: "everything is in everything". Klingt wenig beruhigend und soll es auch nicht sein. In unserer anpassungsgeilen Gegenwart wird nach dem sich widersetzenden sozialen Fleisch gegriffen.

Ward gräbt genauso in die Ballettgeschichte wie in die Eruptionen spontaner Tanzausbrüche, die es im mittelalterlichen Europa gab und die in gemäßigter Form beim Techno wiedergekehrt sind. Hier wird die Choreografin zur Tanzarchäologin mit politischem Handwerkszeug. (ploe, 19.2.2016)

20. 2., Wuk, Saal und Projektraum, 9., Währinger Straße 59, 20.00

  • Konfusion als höchstes Glück: Ewa Bánkowska.
    foto: ewa bánkowska

    Konfusion als höchstes Glück: Ewa Bánkowska.

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