Mäuse schauen lieber stumme Actionfilme als Mäusepornos ohne Ton

19. Februar 2016, 17:46
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Versuche zeigen: Nager können zwischen verschiedenen Szenen ohne Ton und Geruch unterscheiden

Tokio/Wien – Ob eine analoge Studie mit Vertretern von Homo sapiens ähnlich ausgegangen wäre? Eigentlich wollten japanische Forscher um Shigeru Watanabe von der Keio-Universität bei Tokio nur wissen, ob Mäuse an Stummfilmen mit anderen Mäusen interessiert sind und ob sie die gezeigten Inhalte unterscheiden können.

Die experimentelle Umsetzung klingt aber zumindest auf den ersten Blick so, als ob sich der Biologe abermals um einen Ig-Nobelpreis für besonders skurrile Forschung bewerben wollte. Watanabe, der den Preis bereits 1995 für eine Studie über die Kunstsinnigkeit von Tauben erhalten hatte, ließ den Nagern auf stummen iPods drei verschiedene Clips vorspielen: Der erste zeigte zwei Mäuse, die einander beschnupperten, im zweiten kämpften zwei Tiere, und im dritten Film kopulierten sie.

Kampfszenen am beliebtesten

Die im Fachmagazin "Animal Cognition" präsentierten Ergebnisse fielen relativ eindeutig aus: Den Versuchstieren – männliche Mäuse ohne sexuelle Erfahrung – waren die Schnupperfilme ziemlich schnuppe. Mehr Interesse zeigten sie für die Mäuseerotik, am meisten aber für die Kampfszenen.

Diese Resultate sind nicht ganz so trivial, wie sie scheinen. Mäuse vertrauen nämlich ihren Ohren und ihrer Nase mehr als den Augen. Dass sie zwischen verschiedenen Mäuseszenen ohne Ton und Geruch unterscheiden können, ist also durchaus neu. Fragwürdig scheint indes die Interpretation der Forscher: Sie vermuten, dass Actionfilme deshalb so beliebt seien, weil sie am meisten soziale Information lieferten – als ob das bei menschlichen Betrachtern eine Rolle spielen würde. (tasch, 19.2.2016)

  • Mäuseerotik kommt als Stummfilm weniger gut an wie Actionszenen.
    foto: reuters/daniel munoz

    Mäuseerotik kommt als Stummfilm weniger gut an wie Actionszenen.

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