Forscher wollen verhindern, dass Pompeji weiter zerbröselt

21. Februar 2016, 12:53
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Internationale Archäologie-Experten beraten in München über die Zukunft einer der berühmtesten Ausgrabungsstätten Europas

München – Wissenschafter wollen dabei helfen, den Verfall von Pompeji zu stoppen und beraten über die Vorgehensweise in München. Forscher der Technischen Universität (TU) München und des Fraunhofer-Institutes für Bauphysik arbeiten unter anderem an Dächern für die labile Ausgrabungsstätte am Fuße des Vesuvs in der Nähe von Neapel sowie an Techniken zur Sicherung von Oberflächen an Gebäuden oder Grabstätten.

Der erste Prototyp eines Schutzdaches sei entwickelt worden, sagte Albrecht Matthaei vom Fraunhofer-Institut am Freitag am Rande der internationalen Tagung "Pompeji – Schutz und Bewahrung eines archäologischen Welterbes". Jahrelang galt die 79 nach Christus beim Ausbruch des Vesuvs verschüttete Stadt als Sorgenkind der Denkmalpflege. "Der Verschleiß ist gewaltig", sagte der Restaurierungswissenschafter Erwin Emmerling. Heute gebe es dort aber eine Entwicklung zum Positiven.

Zuschütten als Schutzmaßnahme

Überlegt wird allerdings auch, Teile der Ausgrabungsstätte wieder zuzuschütten. Für den Erhalt wäre das oft das Beste, wie Emmerling sagt. Das könne aber nur für kleinere Gebäude gelten. "Es ist nicht daran gedacht, Pompeji, das man gerade ausgegraben hat, wieder zuzuschütten."

Immer wieder wird nach Angaben der Experten auch diskutiert, ob weitergegraben werden soll oder nicht. Aus konservatorischer Sicht sollten neue Ausgrabungen zwar vermieden werden, aber: "Ich muss die Leute immer wieder stoppen", sagte der Direktor des Internationalen Forschungszentrums für Denkmalpflege und Restaurierung von Kulturgütern in Rom, Stefano De Caro. Für die Archäologen sei es oft schwer, ihre Neugier im Zaum zu halten und nicht weiter zu graben, wenn sie ein neues, spannendes Gebäude entdecken. "Ausgraben oder nicht ausgraben – das ist hier die Frage."

Oft stünden dabei die Interessen der Bewahrer im Gegensatz zu den Interessen jener, die die Restaurierungsarbeiten zum Teil finanzieren. In Pompeji und dem ebenfalls verschütteten Herculaneum sind das nämlich zum Teil Privatleute – und die seien manchmal eher an spektakulären neuen Ausgrabungen interessiert als an der Bewahrung. "Der Erhalt ist wertvoll, aber er hat keinen Nachrichtenwert", sagte der Leiter des Herculaneum Conservation Projects, Andrew-Wallace Hadrill. (APA, 21.2.2016)

  • Pompeji gilt als eine der best erhaltenen Städte der Antike. Damit das so bleibt, planen nun internationale Experten ein Rettungsprojekt.
    foto: apa/afp/mario laporta

    Pompeji gilt als eine der best erhaltenen Städte der Antike. Damit das so bleibt, planen nun internationale Experten ein Rettungsprojekt.

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