Rapids Reise in die Waschmaschine

19. Februar 2016, 17:00
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Das 0:6 gegen Valenica ist bereits schlimme Geschichte. Nach der historischen Watschen versucht Rapid, Folgeschäden zu vermeiden. Trainer Zoran Barisic und Sportdirektor Andreas Müller lehnen hängende Köpfe ab

Valencia/Wien – Florian Kainz kann sich an das 0:6 nicht erinnern. Das liegt daran, dass er eine Gehirnerschütterung erlitten hatte, zur Pause (Stand 0:5) ausgetauscht werden musste. Natürlich ist das nicht lustig, es hilft aber bei der Verarbeitung. Kainz fehlt am Sonntag in Graz gegen Sturm, Steffen Hofmann auch, die Wade ist gezerrt. Der Kapitän wusste freilich, dass er in Valencia gewesen ist und Fatales erlebt hat.

Rapid ist am Freitag in Wien gelandet, die Stimmung im Flieger war maximal durchwachsen. Es wurde nach Erklärungen gesucht, die einfachste lieferte Präsident Michael Krammer. "Solche Tage gibt es, bleiben wir nüchtern. Der Fußball ist eine Wellenbewegung, allerdings muss es uns gelingen, dass die Ausschläge seltener werden." Krammer lehnte es ab, der Mannschaft ins Gewissen zu reden, "Das überlasse ich lieber Trainer und Sportdirektor." Rapid sei im Estadio Mestalla in eine Waschmaschine geraten. "Die Trommel drehte sich immer schneller, wir kamen nicht raus."

Valencias Trainer Gary Neville sagte nach Abpfiff, dass der Fußball ein seltsames, nicht erklärbares Spiel sei. "Es darf keine Achterbahn werden, es muss Geradlinigkeit vorherrschen."

"Bergab geht es leider schnell"

Rapid befindet sich in einer akuten Schieflage. Die schöne Reise durch Europa habe in einem Debakel geendet, stellte Trainer Zoran Barisic fest. Wohl wissend, dass es am 25. Februar im Happel-Stadion noch ein Rückspiel gibt. "Dabei geht es um Würde." Sein Job ist es, nach Ursachen zu forschen, Folgeschäden zu vermeiden. "Wir haben gedacht, mit Fußball bestehen zu können. Und sind in keinen einzigen Zweikampf gekommen. Das war ein heftiger Rückschlag. Der Weg bergauf ist steil und langwierig, bergab geht es leider ganz schnell. Es liegt an uns, wieder in die Spur zu finden."

Sportdirektor Andreas Müller möchte "keine hängenden Köpfe sehen. Die Köpfe müssen oben bleiben. Jeder soll in den Spiegel schauen und sagen, ich habe Scheiße gebaut. Und dann geht es weiter. Ausreden oder Alibis sind verboten." Der Versuch, Valencia mit spielerischen Mitteln zu fordern, sei brutal gescheitert. "Wir hatten zwar Selbstvertrauen, konnte es aber nicht zeigen. Wir waren vom Gegner meilenweit entfernt, haben uns aufgegeben." Liegt man nach zehn Minuten 0:2 zurück, sei das gewiss kein Honiglecken. "Trotzdem muss man danach Mittel finden, den Schaden zu begrenzen."

Was bleibt

Mario Sonnleitner stand als Innenverteidiger sozusagen im Zentrum des Grauens. Auch für ihn war das kollektive Versagen ein Rätsel. "Einer hat den anderen angesteckt. Ein Dominoeffekt. Welcher Stein als Erster umgefallen ist, kann man nicht sagen." Valencias Rechtsaußen Santi Mina war an fünf Toren beteiligt, Sonnleiter war der Name nicht wirklich geläufig, sein Alter lässt sich jederzeit googeln, 20 Jahre ist der Flügelflitzer, "Da er bei Valencia ist, musste er gut sein." Stefan Stangl, Rapids linker Außenverteidiger, wurde zum Lehrbuben degradiert. Stangl ist weit von seiner Form aus dem Herbst entfernt. Im Winter gab es Transferspekulation, das galt auch für Kainz. Und Thanos Petsos wechselt im Sommer nach Bremen. Der Grieche ist ein Schatten seiner selbst. Müller. "Natürlich müssen wir alles bereden, diskutieren."

Gegen Sturm geht es auch ums Vergessen. Binnen weniger Tage wurden Cup und Europa League vergeigt, bleibt nur mehr die Meisterschaft. Krammer: "Entscheidend ist ab sofort, gegen Grödig, Mattersburg und die anderen zu bestehen, sich voll darauf zu konzentrieren. Der Titel ist möglich."

Bei Kainz wird die Erinnerung zurückkehren. Müller: "Er soll dann seine Leistungen aus dem Herbst abrufen." (Christian Hackl, 19.2.2016)

  • Ein Sechser-Tragerl für Rapid in Valencia? "Damit habe ich wirklich nicht gerechnet", sagt Zoran Barisic.
    foto: apa/hochmuth

    Ein Sechser-Tragerl für Rapid in Valencia? "Damit habe ich wirklich nicht gerechnet", sagt Zoran Barisic.

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