Notenlose Schule in Wien beliebt

19. Februar 2016, 18:21
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Reformen für Kindergärten langsamer Work in Progress

Wien – Nach dem jüngsten Gezänk über die Bildungsreform untermauert SPÖ-Ministerin Gabriele Heinisch-Hosek ihren Standpunkt, wonach künftig alternative Beurteilungsformen die gesetzlich vorgeschriebene Regel sein sollen, jetzt mit Zahlen.

In insgesamt 4144 Klassen an 2072 der rund 3000 Volksschulen gäbe es bereits jetzt keine Noten mehr – das sind rund 70 Prozent aller Volksschulstandorte, der STANDARD berichtete. Die machen vor allem in den ersten beiden Klassen von der alternativen Leistungsbeurteilung Gebrauch. Insbesondere oberösterreichische und Wiener Schulen wenden sich gerne von der klassischen Notengebung ab. Im Vorjahr bezifferte Heinisch-Hosek die Zahl der diesbezüglichen oberösterreichischen Schulversuche mit 597 – an 560 Standorten. Pro Standort kann es mehrere Versuche geben. Auch einzelne Klassen können als Schulversuch laufen.

Ähnlich beliebt ist die notenlose Schule in Wien: An 264 Volksschulen gab es insgesamt 300 Schulversuche zum Thema. In Kärnten und Tirol bleibt man bei Bewährtem: nur 16 Versuche an 236 Schulen im Süden, 72 Versuche an 378 Schulen im Osten.

Auch was die Alternativen betrifft, gibt es unterschiedliche Geschmäcker: Neben der verbalen Beurteilung (wie im Entwurf vorgesehen) kommen u. a. Pensenbücher oder Lernfortschrittsdokumentationen zum Einsatz.

Kompassexperten gesucht

Während beim Schulthema bereits über die gesetzliche Ausgestaltung gestritten wird, kommt man in anderen Bereichen der Bildungsreform erst langsam in die Gänge. Aus dem Familienministerium heißt es auf STANDARD -Anfrage, man sei erst bei den Vorbereitungsarbeiten zur Umsetzung des Bildungskompasses. Auch die Expertengruppe, die diesen erarbeiten soll, steht noch nicht. Immerhin: Demnächst soll darüber in der politischen Steuerungsgruppe – bestehend aus den beiden Staatssekretären, der Familien- und der Bildungsministerin – beraten werden. Ähnlich ergeht es dem für Ende 2016 angekündigten Bundes-Qualitätsrahmenplan für Kindergärten: "Work in Progress", heißt es dazu aus dem Ministerium. (APA, riss, 19.2.2016)

  • Die Bildungsreform, ein Schatten ihrer selbst? Im Bild: Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) und Staatssekretär Harald Mahrer (ÖVP).
    foto: apa/helmuth fohringer

    Die Bildungsreform, ein Schatten ihrer selbst? Im Bild: Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) und Staatssekretär Harald Mahrer (ÖVP).

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