Kunstmesse Arco: Majestätisch aus der Misere manövriert

21. Februar 2016, 12:00
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Mit ihrer 35. Edition würdigt die Madrider Kunstmesse Arco ihre Wegbegleiter und feiert sich selbst

Fiestas muss man feiern, wie sie fallen. Mehr noch in Spanien, wo die Arco (24.-28. 2.) mit 221 Galerien aus 27 Ländern ihr 35-jähriges Bestehen zelebriert. 1982 hob die Madrider Galeristin Juana de Aizpuru die Kunstmesse aus der Taufe.

Auf die Idee war sie zwei Jahre zuvor in Köln gekommen und hatte dann bei Kollegen, Museumsdirektoren und Kuratoren Überzeugungsarbeit geleistet. Spanien klang vielen abstrus: "ein Land, in dem es kaum Galerien, wenige Sammler und keine Kunstmagazine gab", erinnert sie sich. Taufrisch war Spaniens Demokratie nach Dekaden totaler Isolation der Franco-Diktatur. Im Madrid der "Movida" herrschte eine überschäumende, kreative und soziale Atmosphäre, in der es keinerlei Grenzen zu geben schien.

Wegen ihres Engagements und Namens verglich man die Arco-Gründerin zum Debüt gar mit der Heiligen Johanna von Orleans. Auch, weil de Aizpuru den damaligen Finanzminister überzeugte, der Arco einen Sonderstatus, ähnlich einer Freihandelszone, zu gewähren. Sonst wären 24 Prozent an Steuern beim Kunstkauf angefallen. Steuerfahnder geleitete sie höchstpersönlich zum Ausgang.

Gratiskoje zum Jubiläum

"Es waren die 1980er-Jahre. Eine ganz andere Zeit", sagt Ursula Krinzinger über die Premiere. Gleich neben ihr präsentierten Rosemarie Schwarzwälder (Nächst St. Stephan) und die 2012 verstorbene Grita Insam: "Wir alle wurden mitgerissen von de Aizpuru. Wie durch ein Wunder haben wir alle etwas verkauft."

Heuer zählt Krinzinger mit Martin Janda und Schwarzwälder zu den 35 Auserwählten, die anlässlich des Jubiläumsschwerpunkts geehrt werden: Als Draufgabe zum "regulären" Stand gibt eine kostenlose, 35 Quadratmeter umfassende Koje. Krinzinger schmückt ihre mit C-Prints der Aktionsarbeiten von Günther Brus (Das Vitriolkabinett, 1966-2012), Angela de la Cruz (Plastic Cover II, 2016) oder Jonathan Meeses Gemälde Dein Traum stinkert (2015).

Für Janda ist die Arco, "wo einen der König per Handschlag begrüßt", aus mehrerlei Gründen interessant: der Sammler aus Lateinamerika wegen und aufstrebender Künstler aus Mexiko, Kolumbien oder Venezuela, die er im Programm hat, etwa Joe Scanlan und dessen fiktives Alter Ego, Donelle Woolford. Kubistische Holzmosaik-Gemälde wie Still Life with Chair Caning (12.000 Euro) oder eben marokkanische Rezepte, handgeschrieben als Tintenstrahl-Druck auf Leinwand (Modern Astronomy, 18.000 Euro).

"Eine funktionierende Arco ist für uns in Zukunft ein wichtiger Termin", bekräftigt Janda, "besonders aufgrund der hier vertretenen Institutionen."

Neue Strategie

Letztere werden von Carlos Urroz hofiert. Im Jahr 2010 übernahm der amtierende Direktor die Leitung der Messe, die damals aufgrund rückläufiger Verkaufszahlen in einer Krise steckte. Seither lädt er jährlich mehr als 250 internationale Sammler und 150 führende Persönlichkeiten von Stiftungen, Museen und Kuratoren nach Madrid. Eine Strategie, die man sich ein Fünftel des Jahresetats von 4,5 Millionen Euro kosten lässt und mit der Urroz die Arco rückblickend aus der Misere manövrierte. (Jan Marot, Album, 21.2.2016)

  • Martin Janda offeriert bei der 35. Arco-Auflage u.a. dieses Stillleben von Donelle Woolford (Still Life with Chair Caning, 2015) für 12.000 Euro.
    foto: courtesy martin janda

    Martin Janda offeriert bei der 35. Arco-Auflage u.a. dieses Stillleben von Donelle Woolford (Still Life with Chair Caning, 2015) für 12.000 Euro.

  • Jonathan Meeses "Dein Traum stinkert" aus dem Portfolio der Galerie Krinzinger.
    foto: courtesy jonathan meese and galerie krinzinger vienna

    Jonathan Meeses "Dein Traum stinkert" aus dem Portfolio der Galerie Krinzinger.

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