Bildungsreform für Astrologen

20. Februar 2016, 10:00
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Die Frohbotschaft dieser Woche kam aus der Chronik des "Kurier", wo eine Schulleiterin verkündete: "Astrologie ist keine Religion"

Das ist einmal eine gute Nachricht: Die katholische Kirche bekommt keine Konkurrenz und die Wirtschaftskammer bald neue Mitglieder. Die Frohbotschaft kam aus der Chronik des "Kurier", wo eine Schulleiterin verkündete: "Astrologie ist keine Religion". Sie ist zwar nie unter diesem Verdacht gestanden, sondern früher einmal unter dem einer Wissenschaft und heutzutage unter dem der Bauernfängerei, aber es kann nicht schaden, den Papst, der ohnehin genug an seiner Kirche zu leiden hat, einmal etwas Nettes wissen zu lassen. Die Dame, der der "Kurier" zu Bekanntheit verhalf, ist vom pädagogischen Eros erleuchtet, sie eröffnete jüngst ihre "Schule der Astrologie" in Graz und Wien, um diplomierte Astrologen auszubilden und auf diese Art den Fachkräftemangel im Lande ein wenig zu mildern.

Bisher waltet auf diesem Gebiet eine Riesenschlamperei, ist doch für Astrologen keine geregelte Ausbildung nötig. Es genügt, einfach einen Gewerbeschein zu beantragen. Ein Manko, an dem Astrologen knabbern. Sie wollen aus dem Eck der Unterhalter her auskommen und wissenschaftlich ernst genommen werden. Ein Umstand, der nach Bildungsreform schreit, und die Wirtschaftskammer ist entschlossen, sie durchzuführen.

Immerhin sind die Astrologen in ihr ganz offiziell organisiert. Sie gehören zum Zweig der freien Berufe, in Österreich gut 900. Für sie ist keine geregelte Ausbildung nötig. Es genügt, einfach einen Gewerbeschein zu beantragen, wie es jeder Schwarzarbeiter am Bau machen kann, ohne an diesem Manko zu knabbern. Das kränkt auf die Dauer, aber Abhilfe ist nicht leicht zu schaffen. Weil es ein freies Gewerbe sei, ließen sich keine verbindlichen Regeln über Ausbildung und Arbeitsmethoden festschreiben, beklagt Peter Fraiss, der die Berufsgruppenvertretung in der Kammer aufgebaut hat. "Aber man kann intern etwas machen. Man arbeitet am Berufsbild und an Ausbildungsrichtlinien."

Wie man an Ausbildungsrichtlinien arbeiten will, wenn sich keine verbindlichen Regeln über Ausbildung und Arbeitsmethoden festschreiben lassen, steht in den Sternen. Aber irgendetwas muss dringend geschehen, denn, so Fraiss: "Wenn die Menschen nichts anderes als Zeitungshoroskope kennen" – wie die im "Kurier" muss man ja glauben, dass das alles ein Schmarrn ist."

Übrigens, was die Astrologenschule betrifft: Rund 2500 Euro soll die Teilnahme kosten, die mit einem Diplom endet. Dafür, dass Astrologie nicht einmal eine Religion sein soll, auch nicht ganz billig.

Schon wieder musste Sonntag der geschäftsführende Chefredakteur der "Kronen Zeitung" auf ein Thema zu sprechen kommen, das ihn einfach nicht loslässt. Der Einfachheit halber war es dasselbe wie am Sonntag davor, nämlich die Österreicher wollen Ehrlichkeit, aber der Presserat hat nichts anderes zu tun, als der "Krone" bei der Produktion derselben mit der Forderung nach sauberer Berichterstattung in den Rücken zu fallen.

Er fordert, auf die Nennung der Herkunft bei Straftätern zu verzichten, was der "Krone" die Grundlage ihrer redaktionellen Ethik, also ihre Geschäftsgrundlage entziehen würde, und daher gar nicht geht. Was die Herkunftsnennung betrifft, sollten wir dies bei Schwarzafrikanern oder Arabern sehr wohl tun, beharrte er. Das Urvertrauen geht eben durch eine nicht geringe Anzahl an Politikern und Journalisten, die viel Kraft aufwenden, den Österreichern KEINEN reinen Wein einzuschenken, verloren. Wieso dieses Urvertrauen in die "Krone" besonders bei Schwarzafrikanern und Arabern ungefährdet bleiben muss,
wird schon seinen Grund haben.

Die freiheitlichen Verbündeten in "Zur Zeit" machten ihn deutlich, schlossen sich der Kampa gne gegen die Gefährder des Urvertrauens an und titelten: Presserat gegen die Wahrheit. Sie waren nicht die Einzigen. Unter den Hunderten Zuschriften, die den "Krone"-Chefredakteur, aber nur ihn, überraschten, befand sich auch die Gratulation von Marcus Franz, seines Zeichens vazierender Abgeordneter, derzeit Volkspartei.

Als Arzt weiß ich: Die exakte und wahrhaftige Diagnose ist die Bedingung für jede Heilung. Dasselbe gilt auch für die Asylpolitik und die damit verbundenen Fragen zur Kriminalität. Ob er als Arzt eine exakte und wahrhaftige Diagnose an der Haut farbe des Patienten und nicht
an dessen Symptomen erstellt, oder ob er gar, nach den ärzt lichen Prinzipien der "Kronen Zeitung", das Symptom in der Hautfarbe dia gnostiziert, ließ er leider offen. (Günter Traxler, 20.2.2016)

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    foto: fid
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