Warum ältere Mütter häufiger Kinder mit Downsyndrom zur Welt bringen

19. Februar 2016, 14:24
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Fehlerhafte Chromosomenaufteilung könnte durch Verlust von Proteinkomplex entstehen

Wien – Forscher am Institut für molekulare Biotechnologie (IMBA) der Akademie der Wissenschaften haben entdeckt, dass die Teilung von Eizellen bei Säugetieren von einem Proteinkomplex abhängt, der die Chromosomen schon vor der Geburt umschließt und mit den Jahren möglicherweise verlorengeht. Das könnte eine Erklärung dafür sein, warum Kinder von älteren Müttern häufiger am Downsyndrom leiden.

Dieser Cohesin-Komplex sei bemerkenswert langlebig, aber möglicherweise gehe er mit den Jahren irreversibel von den Chromosomen verloren. Das Unvermögen der Eizellen, das ringförmige Band zu erneuern, das die Chromosomen zusammenhält, könnte zum altersbedingten Auftreten von fehlerhafter Chromosomenaufteilung beitragen.

Bei einer Trisomie ist ein einzelnes Chromosom zusätzlich zum üblichen Chromosomensatz vorhanden. Das Alter der Mutter ist der wichtigste Risikofaktor für die Entstehung von Trisomien bei Kindern, etwa dem Downsyndrom, bei dem drei Kopien des Chromosoms 21 vorhanden sind. Eine Ursache dafür könnte der Verlust des Cohesins sein. Schon vor einigen Jahren wurde beobachtet, dass das Cohesin in alternden Eizellen instabil wird. "Mein Team und ich möchten herausfinden, wie die Chromosomen in der Eizelle von der Geburt bis zur Ovulation durch den Cohesin-Komplex zusammengehalten werden", erklärt die Erstautorin Kikuë Tachibana-Konwalski der im Fachjournal "Current Biology" erschienenen Studie.

Langlebiges Cohesin

Die Studie basiert auf Tachibana-Konwalskis Arbeit als Post-doc an der Universität Oxford. Sie hat dort untersucht, ob Cohesin während eines Zeitraums von zwei bis drei Wochen vor der Ovulation in Eizellen erneuert wird und keinen Hinweis dafür gefunden. Das brachte den ersten Beweis, dass das Cohesin in Eizellen bemerkenswert langlebig ist. Proteine werden in der Regel in den meisten Zellen des Körpers innerhalb weniger Stunden erneuert. Das IMBA-Team fand heraus, dass Cohesin in erwachsenen Mäusen mindestens vier Monate lang aufrechterhalten wird und sich nicht erneuert.

Umgelegt auf den Menschen bedeutet das, dass Cohesin möglicherweise die Chromosomen in den Eizellen der Frauen für Jahrzehnte ohne Erneuerung zusammenhält. Der altersbedingte Verlust von Cohesin von den Chromosomen ist nach Meinung der Forscher daher wahrscheinlich irreversibel. Der nächste Schritt sei, die molekularen Ursachen für diesen Verlust herauszufinden. (APA, 19.2.2016)

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