Tunnel zwischen Gecko-Ohren wären auch für Roboter nützlich

19. Februar 2016, 09:32
1 Posting

Münchner Wissenschafter entwickelten mathematisches Modell einer speziellen Art von Hörsystemen

München – Leuchtet man einem Gecko ins Ohr, kommt das Licht beim anderen Ohr wieder heraus. Seine Ohren sind nämlich durch einen Tunnel verbunden. Diese Anatomie hilft der Echse dabei, die Positionen von Feinden oder Beutetieren zu bestimmen. Wissenschafter der Technischen Universität München (TUM) haben nun erstmals ein mathematisches Modell entwickelt, das genau beschreibt, wie sich die Schallwellen in diesem Hohlraum ausbreiten.

Zugleich beschreibt das universell anwendbare Modell, welche Hinweise auf die Richtung des Signals dabei entstehen. Es gelte auch für viele weitere Reptilien sowie für Frösche und Vögel. "Unser Modell lässt sich auf alle Tiere mit diesem Hörsystem anwenden, auch wenn die Hohlräume zwischen den Trommelfellen bei den unterschiedlichen Spezies sehr verschieden aussehen", erklärte Leo van Hemmen, Professor für Theoretische Biophysik.

Weit verbreitete Tunnel im Ohr

Menschen lokalisieren eine Geräuschquelle mit Hilfe der zeitlichen Verzögerung, mit der das Schallsignal an beiden Ohren ankommt. Frösche, viele Reptilien und auch Vögel haben diese Möglichkeit nicht, da ihr Ohrabstand oft nur wenige Zentimeter beträgt. Sie nutzen einen luftgefüllter Hohlraum, der die Trommelfelle beider Ohren verbindet. Insgesamt besitzen nach Angaben der TUM mehr als 15.000 Arten intern gekoppelte Ohren – das sei mehr als die Hälfte aller landlebenden Wirbeltiere.

Anders als Menschen nehmen die Tiere mit ihren verbundenen Ohren nicht nur die von außen auftreffenden Signale wahr, sondern auch eine Überlagerung der äußeren Schallwellen mit jenen, die im Inneren des Verbindungsganges durch die Kopplung mit der anderen Seite entstehen, wie die Forscher in den "Physical Review Letters" erklären.

Roboter mit Gecko-Ohren

Die neuen Erkenntnisse sind nach Ansicht der TUM-Wissenschafter auch für die Industrie interessant. So könnten Roboter mit solch einem Hörsystem ausgestattet werden. "Ich kann mir eine Anwendung in der Robotik gut vorstellen, da diese Art der Verstärkung keine Energie kostet", betonte van Hemmen. In Zukunft wollen die Wissenschafter ihr Modell zusammen mit experimentell arbeitenden Kollegen weiter verfeinern. (APA, red, 19.2.2016)

Share if you care.