Piemont: Neun Wirte für kein zweites Mal

1. März 2016, 14:00
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Streifzüge aus mehr als 15 Jahren: Wo Harald Fidler nicht noch einmal essen möchte

Ja, man kann auch im Piemont nicht so gut essen. Und natürlich sehr, sehr, sehr gut. Zeit für eine kompakte Darstellung der – aus meiner Sicht – besten und schlechtesten Wirtshäuser im Nordwesten Italiens, soweit ich sie in meinen mehr als 15 Jahren voller Streifzüge durch die Langhe und das Roero und ein paar andre Ecken dort schon heimgesucht habe. Denn alle Jahre ein paar Einträge in der Schmeck's-Rubrik "Italienische Speise" sind nicht gerade die übersichtlich zu konsumieren – sollte mir jemand nachessen wollen.

Schlechte Tage

Aber Achtung: Es kann ja immer sein, dass der Koch, der Wirt, der Gast oder alle drei einen schlechten Tag hatten. Insofern kann man schon meine Befunde nicht verallgemeinern, und die noch kompakteren Listen schon gar nicht. Und schon gar nicht diese erste Liste jener Wirte im Piemont, die ich lieber kein zweites Mal besuchen würde. Ich bin sicher, Sie oder Sie haben schon dort oder da zur größten Zufriedenheit gegessen. Lassen Sie es mich bitte wissen – und posten Sie gern auch weitere Anregungen für die Liste.

Neun, danke

Hier sind meine – bisher – worst 9 im Überblick auf der Karte mit Links zu meinen Kritiken auf derStandard.at/Schmecks samt Besuchs-Jahr – wo sie sind, zeigt die Karte unten mit kleinen gelben Wandersmann-Symbolen: Lokale to go, quasi – jedenfalls will ich kein zweites Mal hin. Neun, danke.

1) Bad and Breakfast: Bianca Lancia

Das bei meinem Besuch 2011 grauenhafte Zimmer im Bianca Lancia hätte höchstens herausragendes Essen ausgleichen können. Das gab es leider nicht, ganz im Gegenteil – meine recht enttäuschte Kritik von damals finden Sie unter diesem Link. Und ich rätsle bis heute, wie Bianca Lancia Jahr für Jahr im Osteriaführer zu seiner Schnecke kommt.

2) Vitello – o – o: Osteria dell'Unione

Mir ging's nicht gut nach meinem Besuch 2015 in der Osteria dell'Unione in Treiso. Vielleicht war's das überzimtete, hundstrockene Kaninchen, vielleicht das Vitello tonnato. Muss ich nicht mehr haben, auch wenn das Lokal auch sehr kommunikative Fans hat. Mehr zur Osteria dell'Unione hier.

foto: harald fidler
Hundstrockenes Kaninchen in der Osteria dell'Unione.

3) Zur schönen Aussicht: Belvedere

Ein wunderschöner Platz ganz oben in La Morra, ein viel gelobtes Lokal. Zu Unrecht, fanden wir bei unserem Besuch 2007: einfach lieblos und seinen Preis nicht wert –wie Sie hier nachlesen können. Aber: großer, prächtig bestückter Weinkeller mit – damals – recht fairen Preisen.

4) Verblasster Glanz: Da Felicin

Im Vergleich mit manchem Lieblingswirten im Piemont ein bisschen zu teuer für die Leistung, und das Ambiente schon ein bisschen in die Jahre gekommen wie die versuchte Originalität der Küche – mehr hier vom Besuch 2012.

5) Bangnolotti: La Taverna di Fra Fiusch

Es ist beileibe nicht alles schlecht bei Bruder Fiusch, und einiges sogar sehr gut. Aber etwa bei den Agnolotti in Barbera zeigt der Fra Schwächen. Und beim Dekantieren von besonders schmucken Roten mehr als ein Achtel in der Flasche zu vergessen, geht über sorgsamen Umgang mit Depot doch weit hinaus. Mehr über unseren Besuch in der Taverna di Fra Fiusch in Moncalieri 2012 hier. Vielleicht hatte ich mir zuviel erwartet.

6) Der Magnat: Ostu di djun

Mit niedrigen Erwartungen ist Ostu di djun gar nicht schlecht, vor allem die Secondi überraschten durchaus positiv. Allerdings: Die Osteria ist bekannt für Wein ausschließlich aus Magnums, die der Wirt reihum von Tisch zu Tisch verlegt. Und der ist mal besser, mal schlechter, und übers Stoppeln braucht man hier nicht zu diskutieren. Mehr über unseren Besuch 2010 hier.

7) Hahnenbrei: Battaglino

Wer uns die Finanziera allzu breiig serviert, der kann nicht unser Freund werden. Leider passierte uns das bei unserem Besuch im Battaglino 2010, und mit dem Essig ward da auch nicht gespart. Vielleicht auch hier wegen einer Empfehlung eines großen Essprofis (und später auch im Osteriaführer) zuviel erwartet. Mehr über unseren Besuch des Battaglino in Bra hier.

foto: bernhard peball
Speisen im Battaglino.

8) Schnecken-Erwartungen: Ca del Re

Der Osteriaführer steckte – damals gar mit einer Schnecke – die Erwartungen allzu hoch. Allzu weiche Ravioli, kratzige Nudeln, trockenes Kaninchen und (fand ich) muffige Gläser trübten das Erlebnis. Aber es gibt auch Schönes im Ca del Re, mehr über unseren Besuch 2009 hier.

9) Seltsamer Service: Antica Corona Reale da Renzo

Ein Grenzfall: Essen eigentlich sehr, sehr gut, aber mir – damals: 2009 – letztlich doch etwas zu happig. Und wirklich anstrengend war das Personal, deshalb findet sich auch die Antica Corona Reale da Renzo in dieser Liste. Mehr dazu hier.

Eines doch wieder?

Beim munteren Listen frage ich mich gerade: Wenn ich zu einem der Wirte doch auf Wieder-Essen sagte statt Neun, danke – welcher wäre das wohl? Ich würde sagen: Am ehesten Antica Corona Reale, vielleicht etwas adretter gekleidet, oder Fra Fiusch, solange am Tisch dekantiert wird.

Sicher nicht

Und wohin bringen mich keine zehn noch so sach- und fachgerecht zu Tapulone verarbeitete Pferde? Ins Bianca Lancia. Auch nicht für einen kleinen Lunch.

Und Sie?

Wurden Sie schon enttäuscht im Piemont? Wovon würden Sie abraten? Und, wo sich List und Tücke nun den vielen, vielen erfreulicheren Seiten dieses grundsympathischen Landstrichs zuwenden: Was fanden Sie herausragend gut oder auch besonders sympathisch? Danke für Ihre sachdienlichen Hinweise per Posting. (Harald Fidler, 1.3.2015)

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