Streikdrohung bei der "Zeit": Signal für die Branche

19. Februar 2016, 08:00
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Die Onlineredaktion droht zum Jubiläum mit Arbeitsniederlegung, Bezahlschranke ab Herbst

Es gibt Filme, Lesungen und Diskussionen. Und natürlich wird allerorts an den großen "Alten" erinnert: Zeit-Mitherausgeber Helmut Schmidt, der im November gestorben ist. Ihren 70. Geburtstag also feiert die deutsche Wochenzeitung Die Zeit am Samstag in Hamburg mit allerlei Veranstaltungen.

Weniger festlich, dafür kämpferischer geht es in Berlin zu, wo die Onlineredaktion der Zeit sitzt. Wenn die Gehaltsverhandlungen am Mittwoch kein Ergebnis bringen, wollen die Onlineredakteure streiken.

Branche blickt gebannt

Auf den Gehaltskonflikt schauen auch andere Pressehäuser und Kollegen mit großem Interesse. "Wenn die Onlineredakteure der Zeit ihre Forderungen durchsetzen können, dann wäre das ein Signal für die gesamte Branche", sagt Jörg Reichel, Landesgeschäftsführer der Deutschen Journalisten Union in der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, zum STANDARD.

Er verhandelt aufseiten der Arbeitnehmer mit der Geschäftsführung, fünf ergebnislose Runden hat es bereits gegeben. Die Forderung der Onlineredakteure, die von der Gewerkschaft unterstützt werden, ist simpel: "Gleiches Geld für gleiche Arbeit."

Sie wollen so viel verdienen wie ihre Printkollegen in Hamburg. "Es ist egal, über welchen Kanal Journalisten ihre Arbeit veröffentlichen. Die Bedingungen sind ja die gleichen", sagt Reichel – zumal die beiden Berliner Redaktionen in zwei Jahren auch in ein Gebäude ziehen wollen.

Bezahlschranke ab Herbst

In anderen traditionsreichen deutschen Häusern (Springer, Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung) funktioniere die "Bezahlung auf Augenhöhe" zwischen Print und Online schon, sagen Branchenkenner. Bei der Zeit hingegen verdienen rund 120 Onlinejournalisten nicht einmal die Hälfte dessen, was für Printkollegen im Kollektivvertrag vereinbart wurde. Ähnlich sieht es in anderen, nicht so bekannten Verlagen aus: Online wird schlechter bezahlt als Print.

Zeit-Geschäftsführer Rainer Esser hat gerade verkündet, dass der Umsatz der Zeit 2015 auf ein Rekordniveau von 183 Millionen Euro geklettert sei. Und im Herbst könnten sich neue Einnahmequellen auftun. Denn die Zeit schwenkt um und führt laut dem Branchenmagazin Horizont online eine Bezahlschranke ein.

Nach einigen kostenfreien Artikeln wird Geld fällig. Esser erklärt das Modell so: "Wir möchten unseren Lesern signalisieren, dass auch online ein Journalismus stattfindet, der nicht allein durch Werbung zu finanzieren ist – und der auch Geld wert ist." (Birgit Baumann, 20.2.2016)

  • Das Firmenlogo im Redaktionsgebäude der Zeit-Verlagsgruppe in Hamburg.
    foto: apa/dpa/ulrich perrey

    Das Firmenlogo im Redaktionsgebäude der Zeit-Verlagsgruppe in Hamburg.

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