US-Koalition tötet viele Zivilisten in Syrien

18. Februar 2016, 14:22
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Luftangriffe haben zugenommen – Belagerte Gebiete sollen weitere Hilfe bekommen

Aleppo – Die US-geführte Koalition hat nach Angaben von Menschenrechtsbeobachtern ihre Luftangriffe auf die Terrormiliz "Islamischer Staat" im Nordosten Syrien verstärkt und dabei in zwei Tagen 48 Zivilisten getötet. Am Donnerstag seien bei Bombardements südlich der Stadt Hasaka mindestens 15 Menschen gestorben, darunter drei Kinder, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Bereits am Vortag hatte das Bündnis in der Region Angriffe geflogen, um eine Offensive der Kurdenmiliz YPG gegen den IS zu unterstützen. Bei der YPG handelt es sich um den bewaffneten syrischen Arm der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). Die Volksschutzeinheiten beherrschen große Teile des Grenzgebiets zur Türkei. Sie sind in Syrien der wichtigste Partner des Westens im Kampf gegen den IS.

Hilfslieferungen erreichen belagerte Städte

Zugleich wurden in fünf belagerten syrischen Städten rund 100 Lastwagen mit Hilfsgütern für 80.000 Menschen ausgeladen. Die Konvois mit Nahrungsmitteln und Medikamenten waren in den vom Regime abgeriegelten Orten Muadamiyat al-Sham, Madaya und Zabadani sowie in den von Rebellen umstellten Orten Foua und Kafraya eingetroffen. Die Menschen dort brauchen dringend Hilfe. Laut UN leben mehr als 400.000 Syrer in belagerten Gebieten. Hilfsorganisationen hatten in den vergangenen Wochen von Dutzenden Toten durch Mangelversorgung berichtet.

Die Hilfskonvois sollen möglichst bald weitergehen. Die am Mittwoch eingetroffenen Konvois seien nur die erste von vielen Lieferungen, sagte die Sprecherin der UN-Organisation für humanitäre Hilfe, Linda Tom. Die UN hoffen nach eigenen Angaben, die vom IS belagerten Teile der Stadt Deir ez-Zor bis Ende nächster Woche aus der Luft versorgen zu können.

Auf die Lieferungen hatten sich die USA, Russland und andere Staaten Ende vergangener Woche in München geeinigt. Das Abkommen sieht auch eine Feuerpause vor, die am Freitag in Kraft treten soll. Allerdings nahm die Gewalt in vielen Teilen des Landes in den vergangenen Tagen zu. Im Kampf gegen die Rebellen verschärfte Russlands Luftwaffe als Verbündeter des Regimes laut Aktivisten ihre Angriffe.

Vorwurf: Russische Angriffe auf moderate Opposition

Die Europäische Union hat offensichtlich gesicherte Erkenntnisse darüber, dass die russischen Streitkräfte noch immer moderate Oppositionsgruppen ins Visier nehmen. Im jüngsten Entwurf für die Abschlusserklärung des EU-Gipfels am Donnerstag und Freitag werden Russland und das syrische Regime aufgefordert, Angriffe auf moderate Oppositionsgruppen unverzüglich zu beenden. Diese verschärften die Flüchtlingskrise und würden dem IS nutzen.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) sieht nach den Luftangriffen auf Krankenhäuser in Nordsyrien Hinweise auf eine Beteiligung des Regimes. Ein HRW-Waffenexperte habe einen Blindgänger nahe einer Klinik in der Stadt Azaz als ballistische Rakete identifiziert, erklärte die Organisation. Diese Art von Flugkörpern sei bisher nur von Regierungstruppen eingesetzt worden.

Zusammen mit Angriffen in anderen Regionen Syriens waren am Montag laut UN fast 50 Menschen gestorben. Die USA, andere westliche Staaten und Aktivisten machen Russland und Syrien dafür verantwortlich. Beide Staaten wiesen die Vorwürfe hingegen zurück.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen zählte in Syrien seit dem vergangenen Jahr 101 Angriffe auf von ihr unterstützte Kliniken. Die Normalisierung von Angriffen auf Krankenhäuser und Zivilisten sei unerträglich, sagte Ärzte-ohne-Grenzen-Chefin Joanne Liu. "Wir sagen klar und deutlich: Der Arzt deines Feindes ist nicht dein Feind." (APA, 18.2.2016)

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